
03.09.2026 / Ian Plant
Ultraweitwinkel fotografieren: Landschafts- und Astrofotografie mit 12 mm

Von den Polarlichtern Islands bis zu den engen Canyons Utahs sucht Ian Plant Landschaften, die unsere Wahrnehmung von Raum verändern. Mit dem TAMRON 12-20mm F2.8 (Modell A084) geht der amerikanische Fotograf noch einen Schritt weiter in den Ultraweitwinkelbereich. Die 12 mm dienen ihm nicht einfach dazu, mehr Landschaft ins Bild zu bekommen. Sie werden zu einem Werkzeug für Bildaufbau, Tiefe und räumliche Wirkung.
Für Ian ist das Fotografieren mit dem Weitwinkel seit Langem eine eigene Art, die Welt zu sehen: nah an einen Vordergrund herangehen, Größenverhältnisse überzeichnen und Betrachterinnen und Betrachtern das Gefühl geben, mitten in der Szene zu stehen. Das TAMRON 12-20mm F2.8 erweitert diese Bildsprache um einen besonders großen Bildwinkel.
Was macht 12 mm so besonders?
Auf dem Datenblatt liegen zwischen 16 und 12 mm nur vier Millimeter. Im Sucher wirkt der Unterschied deutlich größer: Der Bildwinkel wächst stark, Vordergrund und Hintergrund rücken optisch weiter auseinander und selbst große Himmelsflächen lassen sich gemeinsam mit der Landschaft zeigen.
In Island konnte Ian eine weit geschwungene Aurora gleichzeitig mit den Fjorden und ihrer Spiegelung im Wasser aufnehmen. Ein klassischerer Weitwinkel hätte einen engeren Ausschnitt verlangt. Bei 12 mm bleibt dagegen die räumliche Größe der gesamten Szene erhalten.
Wichtig: Ein Ultraweitwinkel macht ein Bild nicht automatisch eindrucksvoller. Je mehr im Rahmen erscheint, desto klarer müssen Hauptmotiv, Vordergrund und Blickführung organisiert sein.

Vordergrund als visuellen Anker nutzen
Ultraweitwinkel fotografieren bedeutet nicht, wahllos alles in den Bildausschnitt zu packen. Ian sucht stattdessen nach einem visuellen Anker: einer klaren Form, die den Blick zuerst aufnimmt. In der Landschaftsfotografie liegt dieser Anker häufig unmittelbar vor der Kamera - etwa ein Stein, eine Eisstruktur, eine Pflanze oder eine markante Linie im Boden.
Je näher die Kamera an diesem Element steht, desto größer erscheint es im Verhältnis zum Hintergrund. Gleichzeitig wirken Berge, Horizonte oder Wolken weiter entfernt. Diese Übertreibung der Größenverhältnisse erzeugt Tiefe und macht das Bild dynamischer.
Auf einem zugefrorenen See in Minnesota positionierte Ian die Kamera sehr tief über den Strukturen im Schnee. Die Muster nehmen dadurch einen großen Teil der Bildfläche ein und führen den Blick bis zum Horizont. Der Vordergrund ist nicht bloß Dekoration, sondern der Einstieg in die Aufnahme.

Linien und Perspektive bewusst gestalten
Der große Bildwinkel funktioniert nicht nur in offenen Landschaften. Gerade an engen Orten kann er eine starke grafische Wirkung entfalten. In einem schmalen Canyon in Utah nutzt Ian die Perspektive der 12 mm, um Sandsteinlinien diagonal durch das Bild laufen zu lassen. Die Felsstrukturen scheinen in der Ferne zusammenzulaufen und erzeugen Bewegung und Tiefe.
Perspektivische Verzerrung ist dabei nicht grundsätzlich ein Fehler. Sie entsteht vor allem durch Kameraposition, Abstand und Neigung. In Ians Bildern wird sie bewusst zur Bildsprache: Nahe Formen dürfen groß wirken, Linien dürfen auseinanderstreben oder zusammenlaufen. Entscheidend ist, dass dieser Effekt das Motiv unterstützt.
Suche nach Linien, die vom Bildrand in die Szene führen.
Prüfe alle Bildecken: Bei 12 mm gelangen störende Elemente besonders leicht in den Rahmen.
Verändere zuerst die Kameraposition, bevor du nur am Zoomring korrigierst.
Halte die Kamera bei Architektur möglichst gerade, wenn stürzende Linien nicht Teil der Gestaltung sein sollen.
F2.8 für Landschaften bei Nacht und Astrofotografie
Viele von Ians Aufnahmen entstehen vor Sonnenaufgang, nach Sonnenuntergang oder unter einem Sternenhimmel. In diesen Situationen ist die durchgängige Lichtstärke F2.8 besonders hilfreich. Sie lässt mehr Licht auf den Sensor und ermöglicht dadurch kürzere Belichtungszeiten oder niedrigere ISO-Werte als eine kleinere Blendenöffnung.
Bei einer Polarlichtaufnahme in Island fotografierte Ian mit F2.8, ISO 3200 und 15 Sekunden Belichtungszeit. Die 12 mm boten genügend Raum für Eisstrukturen und Reflexionen im Vordergrund, während die Aurora einen großen Teil des Himmels einnehmen konnte.
Für scharfe Sterne sollte der Fokus während der Nacht regelmäßig kontrolliert werden. Weitere Hinweise findest du in unserem Ratgeber zum Astro Focus Lock. Wenn dich speziell die Aurora interessiert, zeigt die Story Die Jagd nach den Polarlichtern, wie Planung, Wetter und Geduld zusammenspielen.
Praxistipp: Öffne die Blende für Sterne und Polarlichter zunächst auf F2.8. Prüfe anschließend Histogramm und Sternschärfe und passe Belichtungszeit sowie ISO an die Bewegung am Himmel an.

Ein Ultraweitwinkel für Reisen
Lichtstarke Ultraweitwinkel-Zooms sind konstruktiv anspruchsvoll. Große, stark gewölbte Frontlinsen können Gewicht und Abmessungen schnell erhöhen. Das TAMRON 12-20mm F2.8 ist 119,3 mm lang und wiegt 570 g für Sony E beziehungsweise 585 g für Nikon Z. Für Ian ist das ein praktischer Vorteil: Weniger Gewicht im Fotorucksack bedeutet mehr Energie zum Wandern, Erkunden und Fotografieren.
Der bis 20 mm begrenzte Zoombereich trägt zur kompakten Konstruktion bei. Ian arbeitet ohnehin bevorzugt am weiten Ende, kann den Bildausschnitt bei Bedarf aber bis 20 mm verdichten. Wegen der gewölbten Frontlinse besitzt das Objektiv kein klassisches Frontfiltergewinde. Filterfolien lassen sich stattdessen in die integrierte Halterung an der Objektivrückseite einsetzen.
Wer regelmäßig klassische Schraub- oder Steckfilter vor dem Objektiv verwendet und einen weniger extremen, dafür vielseitigeren Zoombereich sucht, findet in unserem Ratgeber zum passenden Objektiv für Landschaftsfotografie den ausführlichen Vergleich zwischen dem 12-20mm F2.8 und dem 16-30mm F2.8 G2.
Schärfe, Gegenlicht und Focus Stacking
Bei einem so großen Bildwinkel tragen auch die äußersten Bereiche des Bildes zur Komposition bei. Der Blick kann über eine große Fläche wandern; deshalb fallen unscharfe Ecken, Farbsäume oder störende Reflexionen besonders auf.
In einer Eishöhle in Alaska fotografierte Ian eine anspruchsvolle Szene mit dunklem Innenraum und deutlich hellerem Eingang. Nach seiner Erfahrung liefert das 12-20mm F2.8 über den Bildbereich und den Zoombereich eine hohe Auflösung. Auch Aberrationen, Ghosting und Flare bleiben bei seinen Gegenlichtaufnahmen gut kontrollierbar.
Wenn ein sehr naher Vordergrund und der weit entfernte Hintergrund gleichzeitig scharf erscheinen sollen, reicht eine einzelne Aufnahme trotz Weitwinkel nicht immer aus. Ian nutzt dann Focus Stacking: Er fotografiert mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten und setzt die scharfen Bereiche später zu einer Aufnahme zusammen. Kamera, Belichtung und Bildausschnitt müssen dabei unverändert bleiben.


Sonnensterne fotografieren
Ian integriert die Sonne häufig direkt in seine Landschaftskompositionen. Wird die Blende geschlossen, kann aus einer punktförmigen Lichtquelle ein grafischer Stern entstehen. Die 12-Lamellen-Blende des TAMRON 12-20mm F2.8 erzeugt einen markanten zwölfstrahligen Sonnenstern.
Um Reflexionen zu reduzieren und den Stern klarer herauszuarbeiten, verdeckt Ian die Sonne teilweise mit einem Ast, einer Bergkante oder einer Felsformation. In Utah fotografierte er mit F16 und positionierte die untergehende Sonne hinter einem Baum, der durch einen Sandsteinbogen zu sehen war. Schon eine minimale Änderung der Kameraposition entscheidet darüber, wie stark die Strahlen sichtbar werden.

Nah herangehen und Größenverhältnisse verändern
Eine besondere Stärke des Ultraweitwinkels zeigt sich, wenn der Blick nicht nur zum Horizont geht, sondern direkt vor die Frontlinse. Die kürzeste Einstellentfernung beträgt 0,18 m bei 12 mm und 0,28 m bei 20 mm. Das ersetzt kein Makroobjektiv, erlaubt aber ungewöhnlich nahe Perspektiven mit viel sichtbarer Umgebung.
In der Wüste Utahs positionierte Ian die Kamera nahe an kleinen Kakteen. Obwohl er dafür auf 20 mm zoomte, wirken die Pflanzen durch den kurzen Aufnahmeabstand deutlich größer und strukturieren den gesamten unteren Bildbereich. Damit Kaktus und Landschaft scharf erscheinen, kombinierte er mehrere Fokusebenen per Focus Stacking.
Gestaltungsregel: Bei 12 mm verändern schon wenige Zentimeter die Größenverhältnisse. Bewege die Kamera nach vorn, hinten, oben und unten, bis Vordergrund, Mittelgrund und Horizont zusammenpassen.
Aufnahmeeinstellungen im Überblick
Die EXIF-Daten zeigen, wie unterschiedlich Ian das Ultraweitwinkel einsetzt. Sie sind Ausgangspunkte, keine festen Rezepte: Licht, Motivbewegung, gewünschte Schärfentiefe und Kamerasensor bestimmen die endgültige Einstellung.
Typische Fehler beim Fotografieren mit Ultraweitwinkel
Kein klarer Vordergrund: Ohne visuellen Einstieg kann die weite Szene flach und beliebig wirken.
Zu viele Bildelemente: Ein großer Bildwinkel verlangt mehr Ordnung, nicht mehr Motive.
Ungeprüfte Bildecken: Äste, Füße, Stativbeine oder helle Flächen gelangen schnell unbemerkt ins Bild.
Menschen am Rand: Körper und Gesichter können durch die Perspektive unnatürlich gestreckt wirken.
Nur zoomen statt bewegen: Die stärkste Bildwirkung entsteht oft durch eine andere Höhe oder einen veränderten Abstand zum Vordergrund.
Für welche Motive eignet sich ein 12-20mm Ultraweitwinkel?
Landschaftsfotografie: große Himmelsflächen, starke Vordergründe und sichtbare Tiefenstaffelung.
Astrofotografie und Polarlichter: viel Himmel im Bild und Lichtstärke F2.8 über den gesamten Zoombereich.
Architektur und Innenräume: große Gebäude oder enge Räume, wenn wenig Abstand zum Motiv möglich ist.
Reise und Outdoor: ein außergewöhnlicher Bildwinkel bei relativ kompakten Abmessungen.
Video: weite Establishing Shots, dynamische Bewegungen und Aufnahmen in engen Situationen.
Mehr zur Wahl verschiedener Brennweiten findest du in unserem Überblick zum passenden Objektiv für Landschaftsfotografie.
Häufige Fragen zum Fotografieren mit Ultraweitwinkel
Ein anderer Blick auf Landschaft
Ian Plants Bilder zeigen, dass ein Ultraweitwinkel nicht nur für riesige Landschaften gedacht ist. Seine Stärke liegt in der Beziehung zwischen den Bildebenen. Bei 12 mm kann ein Stück Eis zum monumentalen Vordergrund werden, ein kleiner Kaktus unerwartete Präsenz erhalten und eine Aurora ihre ganze Kurve über der Landschaft entfalten.
Für Ian wird das TAMRON 12-20mm F2.8 damit zu einem bevorzugten Objektiv für Kompositionen, die Vorder- und Hintergrund verbinden, ebenso für Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und Landschaften bei Nacht. Er plant, es mit dem TAMRON 25-200mm F2.8-5.6 G2 zu kombinieren. Mit zwei relativ kompakten Objektiven lässt sich so ein Bereich von extrem weiten Perspektiven bis zu deutlich engeren Landschaftsausschnitten abdecken.
Diese Kombination passt zu seiner Arbeitsweise: weniger tragen, mehr erkunden und der Bildgestaltung möglichst viel Raum geben. Entdecke das TAMRON 12-20mm F2.8 oder ergänze es mit dem TAMRON 25-200mm F2.8-5.6 G2.

Über den Autor: Ian Plant

Ob am Rand eines aktiven Vulkans oder bei der Dokumentation stark gefährdeter Tierarten: Ian Plant reist seit mehr als zwanzig Jahren um die Welt, um die Schönheit unseres Planeten fotografisch festzuhalten. Mit seinen Büchern, Lehrvideos und Workshops möchte er Menschen für Fotografie und Natur begeistern. Er unterrichtet unter anderem für KelbyOne und gründete Photo Masters, eine Plattform für fotografisches Lernen und Inspiration.
In diesem Beitrag erwähnte TAMRON-Produkte
12-20mm F2.8
Modell A084

