
23.04.2026
Was ist ein Weitwinkelobjektiv?
Eigenschaften, Typen und wie du das richtige auswählst
Die Wahl des richtigen Objektivs hat einen enormen Einfluss darauf, wie deine Fotos am Ende aussehen. Neben der Bildqualität bestimmt das Objektiv auch, wie viel von einer Szene du einfangen kannst und welche Bildwirkung entsteht.
Besonders Weitwinkelobjektive eröffnen Fotograf:innen viele kreative Möglichkeiten. Sie sind ideal für weitläufige Landschaften, beeindruckende Architektur, dynamische Stadtaufnahmen oder sogar für kreative Porträts. Gleichzeitig haben sie einige Eigenschaften, die man kennen sollte, um sie wirklich effektiv einzusetzen.
In diesem Artikel schauen wir uns deshalb genauer an, was ein Weitwinkelobjektiv ausmacht, in welchen Situationen es besonders gut funktioniert und worauf du beim Kauf achten solltest.

Was ist ein Weitwinkelobjektiv?
Ein Weitwinkelobjektiv zeichnet sich vor allem durch seinen großen Bildwinkel aus. Das bedeutet, dass es einen besonders großen Ausschnitt einer Szene erfassen kann. Während andere Objektive sich stärker auf einen bestimmten Bereich konzentrieren, zeigt ein Weitwinkelobjektiv mehr von der Umgebung.
In der Fotografie gelten Objektive mit einer Brennweite von 35 mm oder weniger in der Regel als Weitwinkelobjektive. Sie eignen sich besonders gut für Situationen, in denen du möglichst viel von einer Szene einfangen möchtest – zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen oder in engen Innenräumen.
Ein weiterer typischer Effekt von Weitwinkelobjektiven ist die starke Betonung der Perspektive. Objekte im Vordergrund wirken größer, während Dinge im Hintergrund weiter entfernt erscheinen. Dadurch entsteht eine ausgeprägte Tiefenwirkung im Bild.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Fotografie eines Gebäudes:
Mit einem Weitwinkelobjektiv kannst du das gesamte Gebäude inklusive Umgebung aufnehmen. Mit einem Teleobjektiv hingegen konzentrierst du dich eher auf einzelne Details.

Kurze Brennweite – großer Bildausschnitt
Die Brennweite beschreibt den Abstand zwischen dem optischen Zentrum des Objektivs und dem Kamerasensor. Sie bestimmt maßgeblich, wie groß der Bildausschnitt ist, den du aufnehmen kannst.
Objektive werden üblicherweise in drei Kategorien eingeteilt:
Weitwinkel: bis etwa 35 mm
Standard: etwa 40 bis 60 mm
Tele: ab etwa 60 mm
Die meisten klassischen Weitwinkelobjektive liegen im Bereich zwischen 20 mm und 35 mm. Damit lassen sich sehr unterschiedliche Motive fotografieren – von Landschaften über Architektur bis hin zu kreativen Porträts.
Es gibt dabei zwei grundlegende Objektivtypen:
Festbrennweiten
Bei diesen Objektiven ist die Brennweite fix. Das bedeutet, du kannst nicht zoomen. Stattdessen musst du deine Position verändern, um den gewünschten Bildausschnitt zu erreichen. Viele Fotograf:innen schätzen Festbrennweiten, weil sie oft besonders lichtstark und optisch hochwertig sind.
Zoomobjektive
Hier kannst du die Brennweite flexibel verändern. Ein Weitwinkel-Zoom deckt häufig mehrere Brennweitenbereiche ab und bietet dadurch mehr Flexibilität beim Fotografieren.
Noch extremer sind sogenannte Ultraweitwinkelobjektive. Sie haben eine besonders kurze Brennweite und erfassen einen enorm großen Bildbereich. Damit lassen sich sehr dynamische Bildkompositionen erstellen – zum Beispiel, wenn du nah an ein Vordergrundmotiv herangehst und gleichzeitig viel Hintergrund ins Bild bringst.
Große Tiefenschärfe – mehr Details im Bild
Eine der auffälligsten Eigenschaften von Weitwinkelobjektiven ist ihre große Tiefenschärfe. Das bedeutet, dass ein größerer Bereich des Bildes scharf dargestellt wird.
Während bei Teleobjektiven oft nur das Hauptmotiv scharf ist und der Hintergrund unscharf verschwimmt, bleiben bei Weitwinkelaufnahmen häufig Vordergrund, Motiv und Hintergrund gleichzeitig klar erkennbar.
Genau deshalb sind Weitwinkelobjektive besonders beliebt für:
Landschaftsfotografie
Architekturaufnahmen
Reise- und Dokumentarfotografie
Sie ermöglichen es, eine Szene in ihrer gesamten räumlichen Wirkung darzustellen.

Tipps für bessere Fotos mit dem Weitwinkelobjektiv
Weitwinkelobjektive haben einige Besonderheiten, die du gezielt nutzen kannst. Gleichzeitig gibt es ein paar Punkte, die du bei der Bildgestaltung beachten solltest.
Perspektive bewusst einsetzen
Ein wichtiger Effekt von Weitwinkelobjektiven ist die verstärkte Perspektive. Dinge im Vordergrund erscheinen deutlich größer als solche im Hintergrund.
Wenn du diesen Effekt bewusst einsetzt, kannst du sehr eindrucksvolle Bilder gestalten.
Zum Beispiel:
Fotografiere ein Gebäude aus einer niedrigen Perspektive, um seine Größe zu betonen.
Platziere ein interessantes Objekt im Vordergrund einer Landschaft.
Gehe bewusst näher an dein Motiv heran, um mehr Dynamik ins Bild zu bringen.
Diese Technik sorgt dafür, dass Fotos mehr Tiefe und Spannung bekommen.

Verzerrungen am Bildrand beachten
Durch den großen Bildwinkel kann es vorkommen, dass Motive am Rand des Bildes leicht verzerrt oder gestreckterscheinen.
Das ist besonders bei:
Gebäuden
Menschen
geraden Linien
sichtbar.
Wenn du diese Verzerrung vermeiden möchtest, kannst du:
dein Hauptmotiv eher in der Bildmitte platzieren
oder die Objektivkorrektur deiner Kamera bzw. Software verwenden.
Manchmal kann diese Verzerrung aber auch bewusst eingesetzt werden, um Bilder besonders dynamisch wirken zu lassen.

Typische Einsatzbereiche für Weitwinkelobjektive
Weitwinkelobjektive sind besonders dann stark, wenn es darum geht, große Szenen oder beeindruckende Räume darzustellen.
Hier sind einige typische Einsatzgebiete.
Landschaftsfotografie
Weitwinkelobjektive sind ein Klassiker in der Landschaftsfotografie.
Sie ermöglichen es, große Naturkulissen vollständig einzufangen – etwa:
Gebirgsketten
weite Täler
blühende Wiesen
Küstenlandschaften
oder das offene Meer
Ein beliebter Trick besteht darin, ein Motiv im Vordergrund zu platzieren – etwa einen Felsen, eine Blume oder einen Baum. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast zur Landschaft im Hintergrund.

Astrofotografie
Auch bei der Fotografie des Nachthimmels spielen Weitwinkelobjektive eine wichtige Rolle.
Sie ermöglichen beeindruckende Aufnahmen von:
Sternbildern
der Milchstraße
Sternschnuppen
oder großen Teilen des Nachthimmels
Wenn du zusätzlich ein Motiv im Vordergrund integrierst – etwa eine Bergsilhouette oder ein Gebäude – entsteht eine besonders starke Bildwirkung.
Innenräume und Architektur
Weitwinkelobjektive sind außerdem ideal für Innenräume.
Gerade in kleinen Räumen oder bei großen Gebäuden kann es schwierig sein, alles in einem Bild unterzubringen. Ein Weitwinkelobjektiv hilft dabei, mehr vom Raum einzufangen.
Besonders interessant wirken Aufnahmen, wenn du:
aus einer tiefen Perspektive nach oben fotografierst, oder
starke Linien und Symmetrien in der Architektur nutzt.

Straßen und Stadtlandschaften
Auch für Street- und City-Fotografie sind Weitwinkelobjektive sehr spannend.
Du kannst damit:
dicht an dein Motiv herangehen
gleichzeitig aber die gesamte Umgebung sichtbar lassen
So entstehen Bilder, die nicht nur das Motiv zeigen, sondern auch die Atmosphäre des Ortes.
Porträts mit Umgebung
Auch wenn klassische Porträts häufig mit Teleobjektiven fotografiert werden, kann ein Weitwinkelobjektiv interessante Alternativen bieten.
Statt nur die Person zu zeigen, kannst du sie in ihre Umgebung einbetten – zum Beispiel:
eine Person vor einer beeindruckenden Landschaft
ein Porträt in einer urbanen Szene
oder Menschen bei Aktivitäten in ihrem Umfeld
Dadurch entsteht eine Geschichte im Bild.

Das richtige Weitwinkelobjektiv auswählen
Wenn du ein Weitwinkelobjektiv kaufen möchtest, gibt es ein paar wichtige Kriterien, die du berücksichtigen solltest.
Brennweite und Blendenwert
Überlege zuerst, ob du lieber eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv möchtest.
Ein Weitwinkel-Zoom mit etwa 16 bis 20 mm im Ultraweitwinkelbereich ist besonders vielseitig und eignet sich für viele verschiedene Motive.
Der Blendenwert (F-Zahl) bestimmt, wie lichtstark ein Objektiv ist.
Je kleiner die Zahl, desto mehr Licht kann das Objektiv aufnehmen. Das ist besonders hilfreich bei:
Nachtaufnahmen
Innenräumen
Astrofotografie
Autofokus und Bildstabilisierung
Ein schneller und präziser Autofokus erleichtert das Fotografieren deutlich.
Auch eine Bildstabilisierung kann hilfreich sein – vor allem bei wenig Licht oder wenn du ohne Stativ fotografierst.
Gerade für Einsteiger kann diese Technik helfen, schärfere Fotos zu machen.
Gewicht und Transport
Bei Landschafts- oder Reisefotografie musst du dein Equipment oft lange mit dir herumtragen.
Deshalb lohnt es sich, auf:
Gewicht
Größe
Handling
zu achten.
Lichtstarke Objektive sind häufig etwas schwerer, bieten aber mehr Möglichkeiten bei schwierigen Lichtverhältnissen.
Anschluss und Sensorgröße
Zuletzt solltest du sicherstellen, dass das Objektiv zur Kamera passt.
Dabei spielen zwei Dinge eine Rolle:
der Objektivanschluss (Mount)
die Sensorgröße der Kamera
Die zwei häufigsten Sensorformate sind:
Vollformat (Full Frame)
APS-C
Ein Vollformatobjektiv kann meist auch an einer APS-C-Kamera verwendet werden. Dabei verlängert sich die effektive Brennweite allerdings ungefähr um den Faktor 1,5.
Fazit
Weitwinkelobjektive gehören zu den vielseitigsten Werkzeugen in der Fotografie. Sie ermöglichen beeindruckende Landschaftsaufnahmen, dynamische Architektur- und Stadtbilder sowie kreative Porträts mit viel Umgebung.
Wenn du lernst, den großen Bildwinkel, die Perspektivwirkung und die Bildkomposition bewusst einzusetzen, kannst du mit einem Weitwinkelobjektiv Fotos machen, die besonders eindrucksvoll wirken.
In diesem Beitrag erwähnte TAMRON-Produkte
17-50mm F/4 Di III VXD
Modell A068
20-40mm F/2.8 Di III VXD
Modell A062
11-20mm F/2.8 Di III-A RXD
Modell B060
28-200mm F/2.8-5.6 Di III RXD
Modell A071
28-75mm F/2.8 Di III VXD G2
Modell A063
35-150mm F/2-2.8 Di III VXD
Modell A058
16-30mm F/2.8 Di III VXD G2
Modell A064