Mondfinsternis

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Mondfinsternis

Am Freitag den 27.07.2018 gibt es in Europa eine totale Mondfinsternis. Die Erdkugel schiebt sich genau zwischen Mond und Sonne, der Mond wird nur noch durch ein schwaches rotes Licht erhellt – ein Blutmond ist zu sehen. Dieser Artikel wird Sie perfekt auf die Fotografie des Blutmondes vorbereiten.

Tamron 150-600mm | 900mm (Cropfaktor) | f/6.3 | ISO 6400 | 1/5s (Bastian Werner – www.bastianw.de)

Ablauf der Mondfinsternis

Eine Mondfinsternis dauert wesentlich länger als eine Sonnenfinsternis, Sie haben deshalb Zeit für gute Fotografien. Da es eine Vollmondnacht ist, steht der Mond bei Sonnenuntergang bereits im Südosten am Himmel und der Eintritt in den Erdschatten hat begonnen. Der Mond wird ab diesem Zeitpunkt immer dunkler und beginnt sich rötlich zu verfärben. Um 22:21 Uhr befindet sich der Mond im Kernschatten und die maximale Verdunklung ist erreicht. Diese Haupthase endet um 23:13, der Mond wird immer heller. Um 0:19 Uhr ist die partielle Finsternis vorbei und um 01:28 Uhr ist der Mond vollkommen aus dem Erdschatten ausgetreten.
Sie können sich ganz einfach die aktuelle Himmelsrichtung des Mondes auf der Website www.mondverlauf.de anzeigen lassen. Setzen Sie den Ortsmarker an den Ort Ihres Motivs und Sie erhalten die exakte Himmelsrichtung des Mondes auf einer Karte angezeigt.

Kameraeinstellungen

Diese variieren entsprechend der momentanen Leuchtkraft des Mondes. Sie werden diese deshalb immer wieder korrigieren müssen. Die Problematik ist, dass der Mond am Himmel weiter zieht. Aus diesem Grund ist die Belichtungszeit nach oben begrenzt, Sie können nicht einfach eine lange Belichtungszeit verwenden, um eine gut belichtetes Foto anzufertigen. Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Richtwert, ab welcher Brennweite Sie gerade so keine Bewegungsunschärfe sehen. Bezogen auf Vollformat mit 24MP Auflösung:

15mm --> 10s
50mm --> 3s
100mm --> 2s
200mm --> 0,5s
600mm --> 0,2s

Damit ist das Limit gesetzt. Da Objektive physikalisch bedingt im Bereich von f/5.6 bis f/10 die beste Auflösung liefern, wäre dies natürlich der bevorzugte Blendenbereich. Da der Mond jedoch in der Phase des Kernschattens sehr dunkel ist, müssen Sie auf diesen Idealen Blendenbereich verzichten und bei maximal offener Blende fotografieren. Das Tamron 70-200mm f/2.8 bietet mit einer Offenblende von f/2.8 die nötige Lichtstärke, die Sie entsprechend auch verwenden sollten. Die ISO-Empfindlichkeit ist nun die letzte Waffe gegen eine dunkle Belichtung. Diese werden Sie auf hohe Werte einstellen müssen, je dunkler der Mond wird. Überprüfen Sie Ihre Fotos regelmäßig, zoomen Sie in der Bildwiederholung auf den Mond und schauen Sie, ob dieser gut und hell belichtet ist.
In der Zeit, in der sich der Mond im Kernschatten befindet ist der Mond so extrem dunkel, dass Sie nur noch mit sehr lichtstarken Objektiven und einer sehr hohen ISO-Zahl arbeiten können. Das Tamron 85mm f/1.8 bietet eine gute Lichtstärke bei hoher Brennweite. Der Mond wird in allen Phasen der Mondfinsternis seine rote Färbung haben, aus fotografischer Sicht werden Sie deshalb kaum einen Unterschied im fertigen Foto sehen, ob Sie nun im Kernschatten oder davor/danach fotografieren, jedoch ist der Mond im Kernschatten deutlich schwerer zu fotografieren, da er hier viel weniger Leuchtkraft besitzt.

Motive

Es führt kein Weg an einer großen Brennweite vorbei, wenn Sie den Blutmond richtig groß in Szene setzen möchten. Natürlich sollten Sie in diesem Fall nicht einfach nur den Mond fotografieren, werden Sie etwas kreativ. Versuchen Sie etwas in die „Schussbahn“ zu nehmen, dass Ihrem Bild ein tolles Motiv neben dem Mond verleiht. Ein großer Vorteil ist, dass der Mond sehr flach über dem Horizont stehen wird. Aus diesem Grund ist es einfacher ein geeignetes Motiv zu finden. Sie müssen deshalb ein Objekt finden, welches in den Himmel ragt und neben dem Mond interessant aussieht. Ein einzelner Baum auf einem Hügel oder eine Burg an einem Berg, so dass Sie von unten in Richtung des Mondes fotografieren können. Mit www.mondverlauf.de und der Landkarte können Sie sich dann genau die Position suchen, so das der Mond hinter oder neben Ihrem Motiv auftaucht. Ich habe die Aufnahme der Frankfurter Skyline auf diese Weise aufgenommen mit dem Tamron 150-600mm. Dieses Objektiv wird für meine Fotografie der Mondfinsternis zum Einsatz kommen, denn mit 600mm Brennweite bekommt man den Mond richtig groß abgebildet. Dieses Video zeigt Eindrucksvoll, wie Sie mit Silhouetten vor der Mondscheibe arbeiten können: https://www.youtube.com/watch?v=ehulHtKfpuM

Tamron 150-600mm | 600mm | f/8 | ISO400 | 1/5s (Bastian Werner – www.bastianw.de)

Das Wetter

Das leidigste Thema zum Schluss – denn stehen Wolken am Himmel, kann man die Mondfinsternis nicht beobachten. Doch auch Wolken lassen sich umgehen und man kann sich rechtzeitig darüber informieren, in welchen Regionen es mehr oder weniger bewölkt sein wird.

www.kachelmannwetter.de

Diese Wetterkarte zeigt den Bedeckungsgrad des Himmels. In Prozent wird angegeben, wie stark der Himmel an einem Ort bedeckt ist, wenn Sie nach oben blicken würden. In diesem Beispiel sehen Sie einen vollständig bedeckten Himmel an der Nordseeküste und einige Wolken im äußersten Südwesten von Deutschland. Der Rest ist fast vollkommen frei von Wolken. Der Himmel sollte maximal zu 30% in der Umgebung Ihres Motivs bedeckt sein, ehe die vielen dichten Wolken das Fotografieren der Mondfinsternis verhindern. Diese Wetterkarte finden Sie bei wwwkachlemannwetter.de unter dem nachfolgenden Link, wenn Sie bei „Parameter“ den „Bedeckungsgrad“ auswählen:
https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd

Das Wettermodell kann 72h in die Zukunft den Bedeckungsgrad vorhersagen, Sie können deshalb ab Mittwoch bereits die Wolken für Freitag sehen und sich darauf einstellen, in welcher Region Sie die Mondfinsternis fotografieren sollten.

www.kachelmannwetter.de

Ein weiteres tolles Mittel ist das Satellitenbild, dieses zeigt die Wolken, die sich wirklich am Himmel befinden. Die Wetterkarte von vorher ist nur eine Modellberechnung, wenn auch eine sehr genaue. Beobachten Sie am Freitag im laufe des Tages immer wieder das Satellitenbild und schauen Sie, ob Wolken zu Ihrem Motiv ziehen, oder ob der Himmel frei bleiben wird. Das Satellitenbild zeigt die Situation, welche Sie auf der Wetterkarte als Computerberechnung sehen. Gut erkennt man, dass die Nordseeküste mit Wolken bedeckt ist, jedoch ist nicht der Südwesten sondern der Westen von Deutschland mit Wolken bedeckt. Es ist also wichtig, sich nicht zu 100% auf die Wetterkarten zu verlassen, sondern die Realität auch zu überprüfen! Das Satellitenbild finden Sie bei www.kachelmannwetter.de unter dem folgenden Link:
https://kachelmannwetter.com/de/sat/satellit-nature-5min.html

Über den Autor: Bastian Werner

Der 1993 geborene Fotograf hat sein Leben unserem Wetter gewidmet – und damit die Wetterfotografie in Deutschland auf ein neues Niveau gehoben. Statt auf gut Glück an eine Location zu fahren, wartet er auf den Tag, an dem Wetter und Licht für ein Motiv perfekt sind. Sein umfangreiches Wissen gibt er in Workshops und Büchern weiter.

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