Auf Pirsch mit dem SP 150-600mm G2

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Auf Pirsch mit dem SP 150-600mm G2

In Deutschland gibt es etwa 2,5 Millionen Rehe. Kein Wildtier ist in den heimischen Wäldern häufiger anzutreffen – und besser zu fotografieren. Vorausgesetzt man weiß, wo und wann man die schlanken Vierbeiner findet. Alexander Ahrenhold hat Tipps für angehende Wildlife-Fotografen.

 

Rehe sind für mich allein schon deshalb ein willkommenes Motiv, weil die hübschen Tiere uns Fotografen etliche Möglichkeiten bieten, sie zu fotografieren. Mit einer Schulterhöhe von 70 bis 90 Zentimeter sind sie allerdings eher klein, was zur Folge hat, dass wir uns ihnen im Idealfall bis auf wenige Meter nähern müssen, um eine formatfüllende Aufnahme und vielleicht sogar ein Porträt zu bekommen. Das freilich ist nicht so einfach, denn Rehe sind sehr aufmerksame und vor allem scheue Tiere, denen sehr daran gelegen ist, den Kontakt zu Menschen zu vermeiden.

Welches Equipment brauche ich?

Das Mittel der Wahl ist eine möglichst lange Brennweite, die uns in puncto Annäherung mehr Flexibilität verschafft. Idealerweise ist sie so kompakt, dass sie sich bei der Pirsch gut transportieren lässt. Ich verwende das Tamron SP 150-600mm F/5-6.3 Di VC USD G2, das trotz seiner großen Reichweite angenehm leicht ist und mir obendrein eine hohe Bildqualität bietet. Außerdem ist es damit problemlos möglich, auch im Super-Tele-Bereich aus der Hand zu fotografieren, denn der integrierte VC-Bildstabilisator leistet hervorragende Arbeit.

Worauf muss ich draußen achten?

Natürlich macht ein gutes Objektiv allein noch kein gutes Foto. Gerade auf der Fotopirsch nach Vierbeinern, die Reißaus nehmen, sobald sich ein Mensch nähert, müssen Fotografen mit Bedacht vorgehen. Wie die meisten Wildtiere haben Rehe wesentlich bessere Sinne als Menschen. Sie können nicht nur besser hören als wir, sondern auch sehr gut riechen. Ein möglichst lautloses Fortbewegen ist für Fotografen unumgänglich, aber mindestens genauso wichtig ist es, stets den „Wind im Gesicht“ zu haben. So lässt sich vermeiden, dass das Reh uns vorschnell wittert und die Flucht ergreift, bevor wir es entdecken. Die Windrichtung lässt sich übrigens gut mithilfe von Seifenblasen prüfen – natürlich nicht erst, wenn wir unmittelbar vor dem Reh stehen.

 

Für mich ist der Wind meist der entscheidende Faktor bei der Fotopirsch. Oft genug treibt er mich fast in den Wahnsinn. Manchmal dreht er ständig oder flaut plötzlich ab, bis kaum noch ein Hauch zu spüren ist, nur um dann im nächsten Moment wieder aus neuer Richtung aufzufrischen. Büsche und Senken sorgen für die abenteuerlichsten Luftströmungen. Kam der Wind gerade noch von vorne, kann er zehn Meter weiter plötzlich von hinten wehen. Das Reh nimmt sofort Witterung auf, streckt unruhig die Nase in die Luft und schaut in die Richtung, aus der der Wind kommt. Meist ist das dann der letzte Blick, den das Reh mit mir tauscht …

Sollte ich mich tarnen?

Eine gute Eigentarnung ist beim Fotografieren von Rehwild zweitrangig. Die Tiere sehen weniger gut, als sie hören oder riechen können. Es gilt jedoch, hohe Kontraste zu vermeiden. Helle Flächen wie das Gesicht und die Hände sollten verdeckt werden, auch ist gedeckte Kleidung nicht verkehrt. Eine zu starke Tarnung ist meiner Meinung nach nicht nur überflüssig, sondern birgt auch Gefahren. Denn nicht nur das Reh kann mich dann nicht ausmachen, sondern vielleicht übersieht mich auch ein Jäger. Als weitere Vorsichtsmaßnahme schaue ich vor und während der Pirsch mit dem Fernglas, ob die Hochsitze besetzt sind, denn einen Geschosssplitter oder eine Ladung Schrot möchte ich nun wirklich nicht abbekommen.

Wo kann man Rehe am besten beobachten?

Rehe halten sich in der Natur eigentlich fast überall auf. Als sogenannte Kurzstreckenflüchter sind sie lediglich auf Versteckmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe angewiesen. Dickungen in Wäldern, kleinere Gehölze am Waldrand oder auch dichte Weidenhaine zählen zu ihren bevorzugten Fluchtorten – und hier stehen die Chancen gut, ein oder mehrere Tiere anzutreffen. Vorsicht beim Annähern: Häufig findet sich in unmittelbarer Nähe noch weitere Exemplare. Das gilt besonders in den Wintermonaten, wenn sich Rehe zu großen Gruppen, sogenannten Sprüngen, von bis zu 50 Tieren zusammenschließen. Über die warme Jahreszeit ziehen sie dann wieder einzeln oder aber im kleineren Familienverband durch Feld und Wald.

Wann ist die beste Zeit, um Rehe zu fotografieren?

Glück für Fotografen: Früh am Morgen und am Abend ist nicht nur das Licht besonders schön, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, Rehe in den Feldern, am Waldrand oder auf Lichtungen zu sehen, ist dann am größten. Zu dieser Zeit ist es draußen relativ ruhig und in der Natur sind weniger Menschen unterwegs. Das gilt umso mehr, je schlechter das Wetter ist. Besonders reizvoll ist eine Tour mit Kamera beispielsweise nach einem Regenschauer, wenn es im Wald noch von den Bäumen tropft und kaum jemand sich nach draußen verirrt.

Mein Extra-Tipp: Bei der Pirsch auf Rehwild ist es lohnend, auch mal nach rechts und links zu schauen. Hin und wieder nähern sich unverhofft andere Besucher, wie Hasen, Fasanen oder Füchse, die als fotografischer Beifang die Speicherkarte füllen können. Oftmals ist es sogar so, dass ich gar kein Reh „mit nach Hause bringe“, sondern vielleicht einen nicht minder hübschen Hasen, der am Wegesrand ein paar Gräser frisst.

 

Über den Autor: Alexander Ahrenhold

Alexander Ahrenhold, Jahrgang 1989, wuchs in Eckernförde an der Ostsee auf. Sein Vater war Förster, so dass er schon in jungen Jahren viel draußen unterwegs war und eine große Liebe zur Natur entwickelte. So war es nur folgerichtig, dass er sich als Fotograf auch auf die Themen Landschaft und Tierwelt spezialisiert hat.

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