Eine totale Sonnenfinsternis mit einer verdunkelten Sonne und einer hellen Korona, umgeben von einem sanften, strahlenden Schein.

17.06.2026 / Bastian Werner

Die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – ein Leitfaden für Fotografen

Tipps & Tricks

Die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – ein Leitfaden für Fotografen

Es gibt Ereignisse, auf die wartet man als Landschafts- und Wetterfotograf ein halbes Leben lang. Die totale Sonnenfinsternis am Mittwoch, dem 12. August 2026, ist genau so ein Moment. Zum ersten Mal seit dem 11. August 1999 zieht der Kernschatten des Mondes wieder über das europäische Festland – und das mitten in den Sommerferien. Wer das Glück hat, in der Totalitätszone zu stehen und freie Sicht zu haben, erlebt etwas, das sich mit Worten kaum fassen lässt. Wer es verpasst, wartet in Deutschland bis 2081 auf die nächste eigene Totalität.

In diesem Beitrag teile ich, wie ich als Wetterfotograf an dieses Ereignis herangehe: nicht mit einem starren Plan, sondern mit der Bereitschaft, dem klaren Himmel hinterherzufahren. Und ich zeige, wie sich die drei Brennweitenbereiche Tamron 16-30 mm F/2.8, Tamron 70-180 mm F/2.8 und Tamron 150-500 mm sinnvoll auf die unterschiedlichen Bildideen verteilen lassen – für Spanien wie für Deutschland.

Der gesamte Ablauf einer Sonnenfinsternis in einem Komposit: von der ersten „angeknabberten“ Sonne über die immer schmaler werdende Sichel bis zur Totalität in der Mitte – und wieder zurück. Aufgenommen mit Sonnenfilter in den Teilphasen, ohne Filter im Moment der Totalität. Tamron 150-500mm f/8, ISO100, 500mm, verschiedene Zeiten + Sonnenfilter
Der Ablauf: Was am 12. August 2026 wirklich passiert
Verlauf der Sonnenfinsternis, © NASA

Der Ablauf: Was am 12. August 2026 wirklich passiert

Der Mondschatten beginnt seine Reise weit im Norden – über Sibirien, die Arktis nahe dem Nordpol und das grönländische Inlandeis. Am späten Nachmittag (unserer Zeit) erreicht der Kernschatten die Westküste Islands, wo die Sonne mit rund 25° noch angenehm hoch über dem Horizont steht. Klingt verlockend – und dennoch streiche ich Island von meiner Liste. Der isländische August ist statistisch ein Wolkenmonat, die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet in diesen knapp zwei Minuten ein Loch in der Wolkendecke zu erwischen, ist mir schlicht zu gering. Eine Sonnenfinsternis fotografiert man nicht gegen den Himmel, den man sich wünscht, sondern gegen den Himmel, den man bekommt.

Anschließend überquert der Schatten den Atlantik und trifft am Abend auf Nordspanien. Die Totalität wandert in einem breiten Band von Galicien im Nordwesten quer über die Iberische Halbinsel bis zu den Balearen, etwa zwischen 20:26 und 20:32 Uhr MESZ. Genau hier liegt die fotografische Chance des Jahres.

Für Deutschland gilt eine wichtige, oft missverstandene Wahrheit: Bei uns gibt es keine Totalität. Deutschland liegt im Halbschatten des Mondes, wir erleben „nur“ eine – allerdings sehr tiefe – partielle Finsternis. Der Mond knabbert einen großen Teil der Sonnenscheibe weg, aber der entscheidende Augenblick, in dem die Korona aufleuchtet und es taghell zur Nacht wird, bleibt südlich der Pyrenäen. Das verändert die gesamte Herangehensweise – dazu später mehr.

Standortwahl in Spanien: Mitte der Totalität, freier Blick nach Nordwesten

In Spanien gilt die einfache Regel: Je näher an der Zentrallinie, desto länger die Totalität. Am Rand des Bandes bleiben nur Sekunden, auf der Mittellinie sind es rund 1 Minute 45 Sekunden (in León etwa 1:45, in Soria rund 1:40). Jede Sekunde zählt, deshalb plane ich meinen Standort so zentral wie möglich.

Drei Dinge entscheiden über Erfolg oder Frust:

Unterkunft frühzeitig buchen. Wir reden hier über das astronomische Großereignis Europas. Hotels, Fincas und Campingplätze entlang des Totalitätsbandes sind teilweise seit Monaten ausgebucht. Wer jetzt noch keine Basis hat, sollte spätestens heute reservieren – idealerweise zentral im Band, von wo aus man flexibel in mehrere Richtungen ausweichen kann.

Früh losfahren. Der „Sonnenfinsternis-Tourismus“ wird ganze Landstriche fluten. Rechne mit verstopften Landstraßen, vollen Parkplätzen und stockendem Verkehr am Nachmittag des 12. August. Mein Rat: schon am Vormittag am groben Zielgebiet sein und die letzten Kilometer entspannt fahren können.

Auf die tiefe Sonne achten. Das ist die zweite Besonderheit dieser Finsternis. In Spanien steht die Sonne zur Totalität sehr tief – je nach Ort nur etwa 8 bis 12° über dem Horizont. Das hat zwei Folgen. Erstens: Das Licht ist atemberaubend. Die Korona scheint durch viel mehr Atmosphäre als zur Mittagszeit und kann goldrot eingefärbt werden – eine „goldene Korona“, die es bei Hochstand-Finsternissen so nicht gibt. Zweitens, und kritischer: Jeder noch so kleine Hügel, Baum oder Gebäuderiegel im Westen bis Nordwesten kann dir die Sonne genau im falschen Moment verdecken.

Daraus folgt direkt die Geländewahl: Ich suche einen leicht erhöhten Standort mit völlig freiem Blick nach Nordwesten. Ich vermeide enge Täler – dort verschwindet die tiefe Sonne hinter den Hängen, lange bevor die Totalität einsetzt. Stattdessen bevorzuge ich das zentralspanische Flachland, die Meseta: weite, flache Hochebenen mit niedrigem Horizont und im August hervorragenden Klarsicht-Chancen. Von der Nordküste halte ich mich bewusst fern – so reizvoll das Meer als Vordergrund wäre, die Wolkenwahrscheinlichkeit an der Küste ist mir zu hoch.

Am Tag der Totalität: das Wetter lesen

Und hier kommt der eigentliche Job des Wetterfotografen. Ein fester Standort ist eine Wette – ein mobiler Plan ist eine Strategie. Am 12. August checke ich vom frühen Morgen an die Bewölkung und bin bereit, noch hunderte Kilometer zu fahren, wenn es sein muss.

Zwei Werkzeuge sind dabei mein Rückgrat:

Mit der VIEWFINDR-App schaue ich mir nicht nur die Bewölkung an meinem Standort an, sondern dreidimensional in der gesamten Region. Die App rechnet Wolken in verschiedenen Höhen und berücksichtigt auch das, was tief am Horizont steht – genau dort, wo die Sonne stehen wird. So sehe ich auf der Karte, wo in meiner Reichweite der Himmel klar bleibt, und kann mich rechtzeitig mobil dorthin platzieren, statt am Wunschort unter eine Wolke zu fahren.

Mit der Website ShadowMap prüfe ich anschließend das Gelände. ShadowMap stellt Sonnenstand und Geländeschatten über einem 3D-Modell der Landschaft dar. Ich gebe Datum und Uhrzeit der Totalität ein und sehe sofort, ob ein Bergrücken, ein Waldstreifen oder ein Gebäude die tiefstehende Sonne verdeckt – oder ob mein Standort wirklich freie Sicht bis zum Horizont hat. Die Kombination aus beidem – klarer Himmel über VIEWFINDR, freier Horizont über ShadowMap – ist die halbe Miete.

© https://www.timeanddate.de/finsternis/karte/2026-august-12. Karte Spaniens mit dem Totalitätsband (Nordwest nach Südost), eingezeichneter Zentrallinie und Totalitätsdauern für León/Soria/Burgos. Markiert: empfohlene Flachland-Region (Meseta) vs. zu meidende Nordküste und Gebirgstäler.
Standortwahl in Deutschland: die tiefe partielle Finsternis
So sieht die partielle Phase mit Sonnenfilter aus – hier sind sogar Sonnenflecken auf der noch sichtbaren Sonnenscheibe zu erkennen. In Deutschland ist genau dieses Bild der Höhepunkt: die tief gebissene Sonne im Detail. Aufgenommen im Telebereich des 150-500 mm. Tamron 150-500mm f/8, ISO100, 500mm, 1/200s + Sonnenfilter

Standortwahl in Deutschland: die tiefe partielle Finsternis

In Deutschland gilt: Je südlicher (genauer: südwestlicher) du stehst, desto stärker ist die Sonne bedeckt. Im Südwesten und Richtung Alpen werden rund 89 % erreicht, über München etwa 90 %, in der Schweiz (Wallis) sogar bis zu 92 %. Im Nordosten – etwa auf Rügen – sind es „nur“ rund 84 %. Spektakulär ist es überall.

Auch bei uns ist die Sonne zum Maximum sehr flach am Horizont – mancherorts nur 2 bis 4° hoch, in Teilen Süddeutschlands und Österreichs geht sie sogar verfinstert unter. Damit gilt dieselbe Standortregel wie in Spanien: erhöhter Standpunkt mit freiem Blick nach Westen bis Nordwesten, keine Hügel, keine Häuserzeile, kein Waldrand in der Sichtlinie. Auch ShadowMap und VIEWFINDR leisten hier dieselben Dienste. Die verfinsterte, tief stehende Sonne über einem stimmungsvollen Vordergrund kurz vor dem Untergang – das ist das deutsche Motiv des Abends.

Brennweiten und Bildideen: drei Objektive, drei Aufgaben
Die Stimmung der Totalität im Weitwinkel: die kleine Korona hoch am Himmel, der 360°-Dämmerungshorizont und die Spiegelung im Wasser. Genau dieses Erlebnis transportiert nur das 16-30 mm – kein Teleobjektiv der Welt kann das. Tamron 16-30mm f/2.8, ISO100, 16mm 0,5“

Brennweiten und Bildideen: drei Objektive, drei Aufgaben

Jetzt zum Spannendsten – welche Brennweite für welches Bild? Die Antwort hängt entscheidend davon ab, ob du in Spanien (Totalität) oder in Deutschland (partiell) stehst.

In Deutschland ist im Grunde nur das 150-500 mm wirklich interessant. Ohne Totalität gibt es keine Korona, keine Protuberanzen, keinen Diamantring – also auch keine Weitwinkel-Stimmung des plötzlichen „Nachtmoments“. Was bleibt, ist das Detail: die immer schmaler werdende, von Sonnenflecken gesprenkelte Sichel, formatfüllend und scharf herausgearbeitet. Dafür ist die lange Brennweite das Mittel der Wahl.

In Spanien dagegen kommen alle drei Objektive zum Einsatz – und zwar nacheinander, mit klar verteilten Rollen.

16-30 mm F/2.8 – die Stimmung der Totalität

Wenn der Schatten kommt, passiert weit mehr als das, was im Teleobjektiv zu sehen ist. Der Horizont leuchtet rundum in Dämmerungsfarben, die Landschaft versinkt in fahles Licht, Planeten und helle Sterne erscheinen. Dieses Gesamterlebnis fängst du nur im Weitwinkel ein. Mit dem 16-30 mm setze ich die kleine, von der Korona umgebene Sonne in den weiten Himmel und nehme Landschaft, Horizontglühen und vielleicht eine spiegelnde Wasserfläche mit ins Bild. Die offene Blende F/2.8 hilft, in dem schwindenden Licht kurze Verschlusszeiten zu halten.

70-180 mm F/2.8 – die Korona
Die volle Pracht der Korona mit ihren weit auslaufenden Strahlen – ein klassisches Motiv für den Bereich um 180-200 mm. Die feinen Streamer reichen weit über den Mondrand hinaus; ein zu langes Tele würde sie abschneiden.

70-180 mm F/2.8 – die Korona

Im Bereich um 180-200 mm liegt der Sweet Spot für die Korona. Die äußere Sonnenatmosphäre erstreckt sich mit ihren feinen Strahlen mehrere Sonnendurchmesser weit ins All – ein längeres Tele würde sie beschneiden. Mit dem 70-180 mm bilde ich die Korona vollständig ab, inklusive der filigranen Streamer, die sich vom Mondscheibenrand nach außen ziehen. Die durchgehende F/2.8 ist hier ein echter Vorteil, weil sie kurze Belichtungszeiten in der dunklen Totalitätsphase ermöglicht.

150-500 mm – Protuberanzen und Diamantring
Mit langer Brennweite werden die rosafarbenen Protuberanzen am Sonnenrand sichtbar – Gasbögen, die aus der Chromosphäre lodern. Solche Details sind die Domäne des 150-500 mm. Tamron 150-500mm f/8, ISO100, 500mm, 2“

150-500 mm – Protuberanzen und Diamantring

Für die ganz feinen Details greife ich zum 150-500 mm. Hier werden die Protuberanzen sichtbar – die rosa-pinken Gasbögen, die am Sonnenrand aus der Chromosphäre lodern. Und hier entsteht das vielleicht ikonischste Bild überhaupt: der Diamantring, jener gleißende Lichtpunkt, der im allerletzten und allerersten Moment der Totalität am Mondrand aufblitzt.

Der Diamantring – der gleißende letzte Lichtstrahl, kurz bevor die Totalität beginnt (oder endet). Begleitet von pinken Protuberanzen. Ein Moment von Sekundenbruchteilen, für den sich die ganze Reise lohnt. Tamron 150-500mm f/8, ISO100, 500mm, 1/20s

Technik: Filter, Belichtungsreihen, Nachführung – und Üben

Sonnenfilter für die Teilphasen. Vor und nach der Totalität – und in Deutschland die ganze Zeit – gehört ein zertifizierter Sonnenfilter vor das Objektiv. Ohne ihn ist die Sonne im Sucher viel zu hell, du riskierst Schäden an Kamera und Auge. Erst im Moment der Totalität (und nur dort, in Spanien) wird der Filter abgenommen, weil die Korona sonst unsichtbar bliebe.

Belichtungsreihen für den Dynamikumfang. Korona und Protuberanzen umfassen einen enormen Helligkeitsbereich – von der hellen inneren Korona bis zu den zarten äußeren Strahlen liegen viele Blendenstufen. Ein einzelnes Foto kann das nicht abbilden. Ich arbeite deshalb mit einer Belichtungsreihe für HDR: sieben Aufnahmen im Abstand von zwei Blendenstufen. So decke ich vom Diamantring bis zu den feinsten Streamern alles ab und kann später in der Bearbeitung den vollen Dynamikumfang zusammensetzen. Wichtig: Reihe vorher einstellen und automatisieren – in den knapp 105 Sekunden Totalität bleibt keine Zeit zum Nachdenken.

Nachführung bei langer Brennweite. Bei 500 mm wandert die Sonne erstaunlich schnell aus dem Bild. Eine astronomische Nachführung (Reisemontierung/Star Tracker) hält die Sonne stabil im Sucher und erlaubt entspanntes Auslösen der Belichtungsreihen. Die Tücke: Tagsüber siehst du den Polarstern nicht, an dem man eine Montierung normalerweise ausrichtet. Hier hilft ein Kompass, um die Nachführung grob nach Norden einzunorden – das genügt für die kurze Dauer der Finsternis vollkommen.

Vorher üben. Mein wichtigster Tipp zum Schluss: Übe den kompletten Ablauf, bevor es ernst wird. Das Fotografieren der Sonnenflecken mit Sonnenfilter ist dafür perfekt. Du trainierst das Scharfstellen auf die Sonne, das Einrichten und Ausrichten der Nachführung, das Belichten durch den Filter und den Bildausschnitt bei langer Brennweite – also genau die Handgriffe, die am 12. August unter Zeitdruck sitzen müssen.

Die perfekte Übung: Sonnenflecken mit Sonnenfilter fotografieren. Wer das Scharfstellen, Belichten und Nachführen an der vollen Sonnenscheibe beherrscht, ist für den großen Tag bestens vorbereitet. Tamron 150-500mm f/8, ISO100, 500mm, 1/200s + Sonnenfilter
Mit dem Kompass lässt sich Norden tagsüber leicht finden und die Astronachführung darauf ausrichten.

Sicherheit: Der wichtigste Punkt von allen

So sehr mich die Fotografie begeistert – das hier steht über allem: Trage während aller Teilphasen unbedingt eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille (ISO 12312-2). Der Blick in die auch nur teilweise sichtbare Sonne kann die Netzhaut dauerhaft und schmerzlos schädigen – man merkt es erst, wenn es zu spät ist. Das gilt für das bloße Auge ebenso wie sinngemäß für die Kamera, die ihren Sonnenfilter braucht.

Nur in den wenigen Sekunden der vollständigen Totalität – also ausschließlich in Spanien, wenn die Sonne komplett verdeckt ist – darfst du die Brille abnehmen und die Korona mit bloßem Auge bestaunen. Sobald der erste Lichtstrahl des Diamantrings wieder erscheint, muss die Brille sofort zurück aufs Gesicht. In Deutschland, wo es keine Totalität gibt, bleibt die Brille von Anfang bis Ende auf. Kein Foto der Welt ist ein Augenlicht wert.

Zum Schluss

Eine Sonnenfinsternis belohnt drei Dinge: gründliche Vorbereitung, technisches Handwerk – und die Demut, dem klaren Himmel zu folgen statt dem eigenen Wunschstandort. Plane deine Brennweiten, übe deine Handgriffe, buche früh, fahre früh los, und halte dir am 12. August bis zur letzten Stunde die Option offen, dich noch einmal zu bewegen. Dann stehst du mit etwas Glück genau dort, wo der Mond die Sonne berührt und der Himmel klar ist. Ich sehe dich dort draußen.

Über den Autor: Bastian Werner

Der 1993 geborene Fotograf hat sein Leben unserem Wetter gewidmet – und damit die Wetterfotografie in Deutschland auf ein neues Niveau gehoben. Statt auf gut Glück an eine Location zu fahren, wartet er auf den Tag, an dem Wetter und Licht für ein Motiv perfekt sind. Sein umfangreiches Wissen gibt er in Workshops und Büchern weiter.

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