
17.06.2026 / Bastian Werner
Sonnenfinsternis fotografieren – ein Leitfaden für Fotografen
Sonnenfinsternis fotografieren – Tipps, Kameraeinstellungen und Objektive
Es gibt Ereignisse, auf die wartet man als Landschafts- und Wetterfotograf ein halbes Leben lang. Die totale Sonnenfinsternis in Spanien vom Mittwoch, dem 12. August 2026, war genau so ein Moment: Zum ersten Mal seit 1999 zog der Kernschatten des Mondes wieder über das europäische Festland. Doch die nächste außergewöhnliche Gelegenheit lässt nicht lange auf sich warten. Am Montag, dem 2. August 2027, verläuft die Totalitätszone erneut durch den Mittelmeerraum und unter anderem über Tunesien. Dort verschwindet die Sonne vollständig hinter dem Mond, während die Finsternis in Deutschland wieder partiell zu sehen sein wird. Wer eine totale Sonnenfinsternis innerhalb Deutschlands erleben möchte, muss sich dagegen weiterhin bis 2081 gedulden.
In diesem Beitrag teile ich, wie ich als Wetterfotograf an dieses Ereignis herangehe: nicht mit einem starren Plan, sondern mit der Bereitschaft, dem klaren Himmel hinterherzufahren. Und ich zeige, wie sich die drei Brennweitenbereiche TAMRON 16-30 mm F/2.8, TAMRON 70-180 mm F/2.8 und TAMRON 150-500 mm sinnvoll auf die unterschiedlichen Bildideen verteilen lassen.

Wetter und Standort richtig planen – so steigen deine Chancen auf klare Sicht
Am Tag der Totalität: das Wetter lesen
Und hier kommt der eigentliche Job des Wetterfotografen. Ein fester Standort ist eine Wette – ein mobiler Plan ist eine Strategie. Am Tag der Totalität checke ich vom frühen Morgen an die Bewölkung und bin bereit, noch hunderte Kilometer zu fahren, wenn es sein muss.
Zwei Werkzeuge sind dabei mein Rückgrat:
Mit der VIEWFINDR-App schaue ich mir nicht nur die Bewölkung an meinem Standort an, sondern dreidimensional in der gesamten Region. Die App rechnet Wolken in verschiedenen Höhen und berücksichtigt auch das, was tief am Horizont steht – genau dort, wo die Sonne stehen wird. So sehe ich auf der Karte, wo in meiner Reichweite der Himmel klar bleibt, und kann mich rechtzeitig mobil dorthin platzieren, statt am Wunschort unter eine Wolke zu fahren.
Mit der Website ShadowMap prüfe ich anschließend das Gelände. ShadowMap stellt Sonnenstand und Geländeschatten über einem 3D-Modell der Landschaft dar. Ich gebe Datum und Uhrzeit der Totalität ein und sehe sofort, ob ein Bergrücken, ein Waldstreifen oder ein Gebäude die Sonne verdeckt – oder ob mein Standort wirklich freie Sicht hat.

Sonnenfinsternis in Deutschland fotografieren – das solltest du beachten
In Deutschland gilt: Je weiter südlich und vor allem südwestlich du stehst, desto stärker ist die Sonne bedeckt. Im äußersten Südwesten werden rund 53 % der Sonnenfläche verdeckt, in München etwa 50 %. Berlin erreicht ungefähr 34 %, Hamburg 32 %, an der nordöstlichen Ostseeküste sind es nur rund 28 bis 30 %. Im Wallis steigt die Bedeckung auf etwa 60 %. Damit fällt die partielle Sonnenfinsternis in Deutschland deutlich schwächer aus als 2026 – durch einen geeigneten Sonnenfilter ist sie dennoch überall gut zu erkennen.
Auch fotografisch sind die Bedingungen vollkommen anders: Das Maximum wird je nach Standort ungefähr zwischen 11:05 und 11:15 Uhr MESZ erreicht. Die Sonne steht dann nicht am Horizont, sondern etwa 45 bis 50° hoch im Südosten. Ein erhöhter Standort ist deshalb nicht zwingend erforderlich. Wichtiger sind eine freie Sicht nach Südosten und ein Vordergrund, der sich mit der hoch stehenden Sonne kombinieren lässt. ShadowMap und VIEWFINDR helfen dabei, Blickrichtung, Sonnenhöhe und Bildaufbau im Voraus zu planen. Die partiell verfinsterte Sonne über einem markanten Gebäude, einem Berggipfel oder einer weitläufigen Landschaft – das ist das deutsche Motiv des Vormittags. Für Beobachtung und Fotografie bleibt während der gesamten Finsternis ein geeigneter Sonnenfilter unverzichtbar.

Welches Objektiv eignet sich für die Sonnenfinsternis? Die besten Brennweiten
Jetzt zum Spannendsten – welche Brennweite für welches Bild? Die Antwort hängt entscheidend davon ab, ob du die Totalität oder die partielle Sonnenfinsternis fotografierst.
In Deutschland ist im Grunde nur das 150-500 mm wirklich interessant. Ohne Totalität gibt es keine Korona, keine Protuberanzen, keinen Diamantring – also auch keine Weitwinkel-Stimmung des plötzlichen „Nachtmoments“. Was bleibt, ist das Detail: die immer schmaler werdende, von Sonnenflecken gesprenkelte Sichel, formatfüllend und scharf herausgearbeitet. Dafür ist die lange Brennweite das Mittel der Wahl.
Bei der Totalität dagegen kommen alle drei Objektive zum Einsatz – und zwar nacheinander, mit klar verteilten Rollen.
16-30 mm F/2.8 – die Stimmung der Totalität
Wenn der Kernschatten am Vormittag über Tunesien hinwegzieht, verändert sich weit mehr als nur die Sonne im Teleobjektiv. Das gleißende Licht bricht innerhalb weniger Augenblicke zusammen, die Landschaft versinkt in eine kühle, unwirkliche Dunkelheit und Planeten sowie helle Sterne können sichtbar werden. Dieses Gesamterlebnis fängst du nur im Weitwinkel ein.
Mit dem 16–30 mm am kurzen Ende richte ich die Kamera deutlich nach oben, denn die total verfinsterte Sonne steht in der Region um Sfax rund 56° hoch im Südosten. So lassen sich die schwarze Sonne und ihre Korona gemeinsam mit Wüstenlandschaft, Küste, Architektur oder den Silhouetten der Beobachter ins Bild setzen. Besonders gut eignet sich dafür das Hochformat. Die offene Blende F/2.8 hilft, in der plötzlich einsetzenden Dunkelheit kurze Verschlusszeiten zu halten und die besondere Lichtstimmung der Totalität einzufangen.

70-180 mm F/2.8 – die Korona
Im Bereich um 180-200 mm liegt der Sweet Spot für die Korona. Die äußere Sonnenatmosphäre erstreckt sich mit ihren feinen Strahlen mehrere Sonnendurchmesser weit ins All – ein längeres Tele würde sie beschneiden. Mit dem 70-180 mm bilde ich die Korona vollständig ab, inklusive der filigranen Streamer, die sich vom Mondscheibenrand nach außen ziehen. Die durchgehende F/2.8 ist hier ein echter Vorteil, weil sie kurze Belichtungszeiten in der dunklen Totalitätsphase ermöglicht.

150-500 mm – Mit 500 mm Protuberanzen und den Diamantring fotografieren
Für die ganz feinen Details greife ich zum 150-500 mm. Hier werden die Protuberanzen sichtbar – die rosa-pinken Gasbögen, die am Sonnenrand aus der Chromosphäre lodern. Und hier entsteht das vielleicht ikonischste Bild überhaupt: der Diamantring, jener gleißende Lichtpunkt, der im allerletzten und allerersten Moment der Totalität am Mondrand aufblitzt.

Sonnenfinsternis fotografieren: Kameraeinstellungen, Sonnenfilter und Nachführung
Sonnenfilter für die Teilphasen. Vor und nach der Totalität – und in Deutschland die ganze Zeit – gehört ein zertifizierter Sonnenfilter vor das Objektiv. Ohne ihn ist die Sonne im Sucher viel zu hell, du riskierst Schäden an Kamera und Auge. Erst im Moment der Totalität (und nur dort) wird der Filter abgenommen, weil die Korona sonst unsichtbar bliebe.
Belichtungsreihen für den Dynamikumfang. Korona und Protuberanzen umfassen einen enormen Helligkeitsbereich – von der hellen inneren Korona bis zu den zarten äußeren Strahlen liegen viele Blendenstufen. Ein einzelnes Foto kann das nicht abbilden. Ich arbeite deshalb mit einer Belichtungsreihe für HDR: sieben Aufnahmen im Abstand von zwei Blendenstufen. So decke ich vom Diamantring bis zu den feinsten Streamern alles ab und kann später in der Bearbeitung den vollen Dynamikumfang zusammensetzen. Wichtig: Reihe vorher einstellen und automatisieren.
Nachführung bei langer Brennweite. Bei 500 mm wandert die Sonne erstaunlich schnell aus dem Bild. Eine astronomische Nachführung (Reisemontierung/Star Tracker) hält die Sonne stabil im Sucher und erlaubt entspanntes Auslösen der Belichtungsreihen. Die Tücke: Tagsüber siehst du den Polarstern nicht, an dem man eine Montierung normalerweise ausrichtet. Hier hilft ein Kompass, um die Nachführung grob nach Norden einzunorden – das genügt für die kurze Dauer der Finsternis vollkommen.
Vorher üben. Mein wichtigster Tipp zum Schluss: Übe den kompletten Ablauf, bevor es ernst wird. Das Fotografieren der Sonnenflecken mit Sonnenfilter ist dafür perfekt. Du trainierst das Scharfstellen auf die Sonne, das Einrichten und Ausrichten der Nachführung, das Belichten durch den Filter und den Bildausschnitt bei langer Brennweite – also genau die Handgriffe, die am Tag der Sonnenfinsternis sitzen müssen.


Sonnenfinsternis sicher fotografieren – Augenschutz und Sonnenfilter sind Pflicht
So sehr mich die Fotografie begeistert – das hier steht über allem: Trage während aller Teilphasen unbedingt eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille (ISO 12312-2). Der Blick in die auch nur teilweise sichtbare Sonne kann die Netzhaut dauerhaft und schmerzlos schädigen – man merkt es erst, wenn es zu spät ist. Das gilt für das bloße Auge ebenso wie sinngemäß für die Kamera, die ihren Sonnenfilter braucht.
Nur in den wenigen Sekunden der vollständigen Totalität – also ausschließlich, wenn die Sonne komplett verdeckt ist – darfst du die Brille abnehmen und die Korona mit bloßem Auge bestaunen. Sobald der erste Lichtstrahl des Diamantrings wieder erscheint, muss die Brille sofort zurück aufs Gesicht. In Deutschland, wo es keine Totalität gibt, bleibt die Brille von Anfang bis Ende auf. Kein Foto der Welt ist ein Augenlicht wert.
Fazit: So bist du optimal auf die nächste Sonnenfinsternis vorbereitet
Eine Sonnenfinsternis belohnt drei Dinge: gründliche Vorbereitung, technisches Handwerk – und die Demut, dem klaren Himmel zu folgen statt dem eigenen Wunschstandort. Plane deine Brennweiten, übe deine Handgriffe, buche früh, fahre früh los, und halte dir am Tag der Sonnenfinsternis bis zur letzten Stunde die Option offen, dich noch einmal zu bewegen. Dann stehst du mit etwas Glück genau dort, wo der Mond die Sonne berührt und der Himmel klar ist. Ich sehe dich dort draußen.

Über den Autor: Bastian Werner

Der 1993 geborene Fotograf hat sein Leben unserem Wetter gewidmet – und damit die Wetterfotografie in Deutschland auf ein neues Niveau gehoben. Statt auf gut Glück an eine Location zu fahren, wartet er auf den Tag, an dem Wetter und Licht für ein Motiv perfekt sind. Sein umfangreiches Wissen gibt er in Workshops und Büchern weiter.
In diesem Beitrag erwähnte TAMRON-Produkte
16-30mm F/2.8 Di III VXD G2
Modell A064
70-180mm F/2.8 Di III VC VXD G2
Modell A065
150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD
Modell A057

