
21.01.2026
Die Faszination der Architekturfotografie

Grundlagen der Architekturfotografie: Techniken und Objektivwahl
Einsteigerfreundlich & leicht verständlich
Architekturfotografie bedeutet weit mehr, als Gebäude lediglich zu dokumentieren. Sie ist eine Form visueller Kunst, die die Schönheit von Linien und Strukturen, das Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie den Reiz durchdacht gestalteter Räume einfängt. Von Wohnhäusern und historischen Bauwerken bis hin zu modernen Wolkenkratzern – jedes Gebäude spiegelt die Intentionen und den Hintergrund seiner Architekt:innen wider. Genau diese Elemente fotografisch zum Ausdruck zu bringen, macht den besonderen Reiz dieses Genres aus.
Gebäude verändern ihr Erscheinungsbild zudem je nach Tageszeit und Wetter. Dasselbe Bauwerk kann zu unterschiedlichen Zeiten völlig unterschiedliche Eindrücke vermitteln, abhängig davon, wie das Licht fällt. Himmel, Schatten und Spiegelungen verändern sich mit Tages- und Jahreszeit und lassen vertraute Motive immer wieder neu erscheinen. Diese Tiefe und Vielfalt sind Gründe dafür, warum Architekturfotografie nie langweilig wird.
Beim Spaziergang durch eine Stadt stößt man manchmal plötzlich auf ein Gebäude, das einen innehalten lässt. Die Kamera zu heben, um diesen Moment festzuhalten, ist der Kern der Architekturfotografie. Ihr eigentlicher Reiz liegt darin, solche Entdeckungen in ein lebendiges visuelles Bild zu verwandeln.
Fotoausrüstung und Grundeinstellungen für gelungene Architekturfotos
Unverzichtbares Zubehör: Stativ, Fernauslöser und Filter
Ein Stativ ist eines der wichtigsten Hilfsmittel für hochwertige Architekturfotografie. Besonders bei wenig Licht – etwa in der Dämmerung oder nachts – sind längere Belichtungszeiten nötig, bei denen Freihandaufnahmen schnell verwackeln. Zudem ist eine exakt waagerechte Ausrichtung der Kamera entscheidend, da vertikale und horizontale Linien den Gesamteindruck stark beeinflussen.
Ein Fernauslöser oder eine Fernbedienung reduziert zusätzlich Verwacklungen beim Auslösen und sorgt für noch schärfere und detailreichere Bilder.
Auch ein Polfilter (PL-Filter) ist sehr hilfreich: Er reduziert Spiegelungen auf Glasflächen und intensiviert das Blau des Himmels. Besonders bei modernen Glasfassaden oder Gebäuden in Wassernähe ist dieser Effekt sehr wirkungsvoll.
Kameraeinstellungen: Blende, ISO und Weißabgleich
Für die Architekturfotografie empfiehlt sich in der Regel der Zeitautomatik- bzw. Blendenprioritätsmodus (A oder Av). Um Details klar darzustellen, ist eine große Schärfentiefe wichtig. Blendenwerte zwischen F8 und F11 sind ideal, da sie von Vorder- bis Hintergrund eine hohe Schärfe ermöglichen.
Die ISO-Empfindlichkeit sollte möglichst niedrig eingestellt werden – meist ISO 100 bis 200 –, um Bildrauschen zu vermeiden und eine hohe Bildqualität zu erzielen. Da Gebäude unbewegliche Motive sind, stellen längere Belichtungszeiten in der Regel kein Problem dar.
Der automatische Weißabgleich liefert in vielen Situationen gute Ergebnisse. Bei Sonnenuntergängen oder Nachtaufnahmen mit stark wechselnden Farbtemperaturen kann es jedoch sinnvoll sein, Voreinstellungen wie Tageslicht, Schatten oder Kunstlicht zu verwenden, um bewusstere und präzisere Farbstimmungen zu erzielen.


Kompositionstipps für die Architekturfotografie
Grundlegende Kompositionsregeln: Drittelregel, Symmetrie und Fluchtpunkte
Die Drittelregel gehört zu den praktischsten Gestaltungsmitteln in der Architekturfotografie. Dabei wird das Bild gedanklich in Drittel unterteilt, und wichtige architektonische Elemente werden entlang dieser Linien oder an deren Schnittpunkten platziert. So entstehen ausgewogene Kompositionen mit natürlicher Bildführung.
Eine symmetrische Bildgestaltung entsteht, wenn ein Gebäude frontal und mittig aufgenommen wird. Sie eignet sich besonders, um Ordnung, Ruhe und Präzision zu betonen – ideal für historische Bauwerke oder moderne, klar strukturierte Architektur.
Durch den bewussten Einsatz von Fluchtpunkten, bei denen parallele Linien in der Ferne zusammenlaufen, lässt sich eine starke Tiefenwirkung erzeugen. Solche Perspektiven vermitteln Größe, Räumlichkeit und die Weite urbaner Umgebungen besonders eindrucksvoll.
Bildrahmung: Das Motiv klar hervorheben
Entscheidend für eine gute Bildwirkung ist, klar zu definieren, was gezeigt werden soll. Konzentriere dich auf Elemente, die den Charakter eines Gebäudes unterstreichen – etwa die äußere Form, konstruktive Details, geometrische Muster, Fenster- und Türanordnungen oder Materialstrukturen.
Schon das bewusste Weglassen störender Elemente wie Schilder oder Stromleitungen kann das Bild deutlich ruhiger wirken lassen. Auch ungewöhnliche Perspektiven, etwa aus der Froschperspektive oder mit diagonalen Linien, verleihen bekannten Motiven eine frische und dynamische Wirkung.


Licht und Tageszeit gezielt einsetzen
Die goldene Stunde am Morgen und Abend
Das eindrucksvollste Licht für Architekturfotografie findet sich während der goldenen Stunde – kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. In dieser Zeit steht die Sonne tief und wirft schräges Licht auf Fassaden, wodurch Schatten und Details besonders plastisch hervortreten.
Dieses Licht verleiht Gebäuden mehr Tiefe und Dimension als das harte Mittagslicht. Gleichzeitig sorgt die warme Farbtemperatur für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Fassaden aus Ziegel, Holz oder anderen warmen Materialien wirken im Abendlicht besonders intensiv.

Gegenlicht und Seitenlicht wirkungsvoll nutzen
Gegenlicht eignet sich hervorragend, um die Konturen eines Gebäudes zu betonen und markante Silhouetten zu erzeugen – besonders bei moderner Architektur. Da die Belichtung anspruchsvoll ist, sind manuelle Anpassungen oft notwendig.
Seitenlicht hingegen hebt Strukturen, Oberflächen und Details hervor. Es ist ideal für Gebäude mit ausgeprägter Textur und plastischer Gestaltung und unterstreicht deren Dreidimensionalität.

Nachtaufnahmen und Belichtungskontrolle
Beleuchtete Gebäude entfalten nachts ihren ganz eigenen Reiz. Vor allem historische Bauwerke und markante Türme wirken durch gezielte Beleuchtung besonders majestätisch und atmosphärisch.
Um Überbelichtungen zu vermeiden, empfiehlt sich eine negative Belichtungskorrektur von etwa −1 bis −2 EV. Mit Stativ, Fernauslöser, niedriger ISO und langen Belichtungszeiten lassen sich klare, rauschfreie Nachtaufnahmen erzielen.
Häufige Fehler in der Architekturfotografie und wie man sie vermeidet
Schieflagen und Perspektivverzerrungen vermeiden
Ein typischer Anfängerfehler sind kippende Gebäude. Besonders bei Weitwinkelobjektiven neigen senkrechte Linien dazu, am Bildrand zu verzerren, sodass Gebäude wirken als würden sie „nach hinten kippen“.
Abhilfe schafft eine möglichst gerade Kamerahaltung. Gitterlinien im Live-View oder eine elektronische Wasserwaage helfen dabei, Vertikalen und Horizontalen sauber auszurichten.
Typische Probleme bei Komposition, Belichtung und Licht
Zu dunkle Aufnahmen oder ausgefressene Himmel gehören ebenfalls zu den häufigsten Problemen. Ein Blick auf die Messmethode kann hier helfen.
Ist das Gebäude das Hauptmotiv, kann Spotmessung auf die Fassade sinnvoll sein. Ebenso wichtig ist es, störende Elemente wie Kabel, Schilder oder Passanten bewusst aus dem Bild zu halten. Schon kleine Änderungen im Bildausschnitt können die Gesamtwirkung deutlich verbessern.
Das passende Objektiv für die Architekturfotografie wählen
Geeignete Brennweiten und Objektivauswahl
Um ganze Gebäude vollständig abzubilden, sind Weitwinkelobjektive im Bereich von etwa 15 bis 35 mm besonders geeignet. Ein größerer Aufnahmeabstand hilft zudem, Verzerrungen besser zu kontrollieren.
In engen Stadtbereichen oder Innenräumen, wo Zurücktreten kaum möglich ist, sind Weitwinkelobjektive besonders wertvoll. Da sich die Perspektive mit der Brennweite verändert, sollte neben dem Bildwinkel auch der Aufnahmeabstand berücksichtigt werden.
Weitwinkel- und Tilt-Shift-Objektive im Vergleich
Weitwinkelobjektive sind vielseitig einsetzbar und eignen sich für Stadtansichten, Hochhäuser und Innenräume. Sie erzeugen eine dynamische Perspektive, erfordern jedoch sorgfältige Bildgestaltung.
Tilt-Shift-Objektive sind Spezialwerkzeuge, mit denen sich Perspektivverzerrungen gezielt korrigieren lassen. Sie werden häufig von professionellen Architekturfotograf:innen eingesetzt, wenn exakt gerade Linien und eine präzise Darstellung gefragt sind.

Architektur durch Perspektive und Objektive neu entdecken
Architekturfotografie bedeutet mehr als nur den Auslöser zu drücken. Erst durch das bewusste Zusammenspiel von Komposition, Licht und Objektivwahl entfaltet ein Gebäude seine volle Wirkung im Bild.
Auch wenn nicht jede Aufnahme sofort gelingt, entwickelt sich der eigene Blick mit jeder Fotosession weiter. Das Gespür für Licht wächst, und gestalterische Entscheidungen fallen zunehmend intuitiv. Entdecke die Faszination der Architektur mit deinen eigenen Augen – und bringe sie in deinen Bildern zum Ausdruck.
In diesem Beitrag erwähnte TAMRON-Produkte
24mm F/2.8 Di III OSD M1:2
Modell F051
20-40mm F/2.8 Di III VXD
Modell A062
18-300mm F/3.5-6.3 Di III-A VC VXD
Modell B061
16-30mm F/2.8 Di III VXD G2
Modell A064
20mm F/2.8 Di III OSD M1:2
Modell F050
90mm F/2.8 Di III MACRO VXD
Modell F072