Die fabelhafte Welt der Marienkäfer

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Praxistipps für gelungene Makroaufnahmen

Die fabelhafte Welt der Marienkäfer

In diesem Beitrag möchte ich etwas über meine größte Passion erzählen: die Marienkäferfotografie. Für viele Menschen sind die kleinen Racker entzückende Tiere und auch attraktive Fotomotive. Doch das Fotografieren von Marienkäfern ist gar nicht so einfach, wie ich selbst feststellen musste. Inzwischen konnte ich jedoch einige wertvolle Erfahrungen im Umgang mit den Tieren sammeln und möchte hier meine besten Tipps weitergeben.

Marienkäfer heißen in der Fachsprache Coccinellidae und zählen zu den Insekten. Die wohl bekannteste Art unter ihnen hat einen roten Panzer mit schwarzen Punkten. Die Summe der Punkte verrät aber nicht, entgegen vieler Meinungen, wie alt der Marienkäfer ist, sondern gibt abhängig von der Lage und Anzahl der Punkte Aufschluss über die Spezies. Marienkäfer ernähren sich von Blatt- und Schildläusen sowie andere kleine Schädlingen, was Gartenbesitzern gut in die Hände spielt. Und solange sie ausreichend Futter finden, lassen sie ihre Artgenossen auch in Ruhe. Nur wenn sie hungrig sind, werden die kleinen süßen Käfer zu gnadenlosen Kannibalen.

Wo kann ich Marienkäfer finden?

Um ehrlich zu sein, ist es gar nicht so leicht, Marienkäfer zu finden. Zwar gibt es immer jemanden, der behauptet, das sei doch kinderleicht, da es Stellen gäbe, an denen sie immer welche auffinden. Im Internet gibt es dazu verschiedene Meinungen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass vor allem solche Pflanzen bei den Käfern beliebt sind, die anfällig für Blattläuse sind, zum Beispiel Tomatenranken, Brombeeren- und Rosensträuche.

Die Marienkäfer-Hauptsaison reicht von März bis Oktober, manchmal kommt es sogar zu regelrechten Epidemien von Marienkäfern (wie im Herbst 2016, da es nochmals sehr warm wurde). Zu Beginn der kalten Jahreszeit finden sich viele Marienkäfer an warmen, geschützten Orten zusammen und halten Winterschlaf. Im nächsten Frühling vermehren sie sich und sterben nach der Ablage von rund 400 Eiern, aus denen sich die Marienkäferlarven entwickeln. Im Frühsommer kann man gelegentlich welche entdecken. Mit den Spitzen auf dem Panzer wirken sie fast bedrohlich. Gegen ihre vielen Fressfeinde – zum Beispiel Vögel, Frösche, Spinnen und andere Insekten – können sie allerdings nur wenig ausrichten.

Warum lieben Menschen Marienkäfer so sehr?

Marienkäfern wird nachgesagt, sie seien Glücksbringer. Wenn man einen findet, solle man die Punkte zählen. Je mehr Punkte, desto mehr Glück werde man haben. So gibt es auch Glücks-Cents mit Darstellungen von Marienkäfern, die erstaunlich viele Punkte haben. Sicher ist: Ein Gärtner, der viele Marienkäfer im Garten hat, kann sich in jedem Fall glücklich schätzen.

Verglichen mit anderen Insekten sind die runden, gepunkteten Marienkäfer fast niedlich, obwohl ihre rote Panzerfarbe in der Natur als Warnfarbe gilt. Im Gegensatz zur gelb-schwarzen Wespe sind sie jedoch ungefährliche Artgenossen. Kinder lieben sie, und lassen sie gerne auf ihren Händen laufen, bis sie auf dem Finger mit dem nächsten Windstoß davongeflogen sind.

Praxis-Tipps zur Marienkäferfotografie

Wer Insekten fotografieren möchte, sollte früh aufstehen – dieser Ratschlag zur Insektenfotografie ist, wenn es um Marienkäfer geht, wenig hilfreich. Bei anderen Insekten mag es in der Früh einfacher sein, sie formatfüllend einzufangen, da sie durch die kältere Luft meist in eine Art Starre verfallen. Marienkäfer suchen sich für die Nacht aber ein Versteck, und waren, zumindest für mich, morgens oder auch spätabends kaum aufzuspüren. Meist suche ich deshalb in den warmen Nachmittagsstunden nach ihnen. Dann ist das Licht nicht mehr so direkt und hart wie mittags, wodurch unschöne Schlagschatten vermieden werden. Mit einem Diffusor könnten natürlich auch mittags Marienkäfer-Bilder entstehen, aber da ich meist nur mit meiner Kamera und sonst keinem Zusatzequipment unterwegs bin, meide ich diese Zeit lieber.

Was brauche ich für Marienkäfermakros? Ideal ist natürlich ein Makroobjektiv. Ich selbst benutze das neue Tamron SP 90mm F/2.8 Di Macro 1:1 VC USD. Falls es finanziell dafür noch nicht reicht, geht notfalls auch eine normale Festbrennweite mit Nahlinsenfilter. Auf diese Art habe auch ich den Einstieg in die Makrofotografie gefunden.

Für die anspruchsvolle Marienkäfer-Fotografie braucht man also generell drei Dinge:

  • Systemkamera mit Wechselobjektivanschluss. Ich fotografiere mit einer Vollformatkamera, die ein etwas geringere Schärfentiefe erlaubt. Aber auch mit meiner APS-C-Spiegelreflexkamera habe ich sehr schöne Makrofotos mit ausgeprägtes Bokeh im Hintergrund machen können.
  • Makroobjektiv. Idealerweise mit einer Brennweite länger als 50mm, da für formatfüllende Abbildungen sonst so nah an den Käfer ran müsste, dass man sich selbst das Licht stiehlt. Durch den Crop-Effekt einer Kamera mit APS-C-Sensor verlängert sich Brennweite übrigens effektiv und das Motiv erscheint also größer im Bild.
  • Marienkäfer … suchen und finden

Wer noch einen Schritt weiter gehen und professionelle Ergebnisse erzielen möchte, kann noch etwas mehr Equipment gebrauchen:

  • Stativ. Wenn die Käfer stillsitzen, kann man sich damit den Sweet Spot sichern. Allerdings sind die Tiere, wenn sie loslaufen, recht flink auf ihren kleinen Beinen. Ich selbst verzichte daher auf den Stativeinsatz.
  • Diffusor. Sehr praktisch, um die harten Kontraste bei direktem Sonnenlicht abzumildern. Der Diffusor besteht aus einem durchscheinenden Material und wirft einen Halbschatten über das Motiv. Ich verzichte allerdings darauf, da ich am liebsten mit möglichst wenig Equipment unterwegs bin.
  • Blitz. Falls es dunkel sein sollte, kann der Marienkäfer mit einem Blitz angeleuchtet werden. Das helle Licht lässt den farbigen Panzer strahlen. Da ich aber nicht mit Blitz arbeite, fällt dieser Punkt bei mir vollkommen raus.

Okay, ich habe einen Marienkäfer gefunden. Was mache ich jetzt? Hier sind noch einige praktische Tipps für gelungene Aufnahmen.

Vermeide Wackeln bei der Aufnahme! Normalerweise sitzen Marienkäfer in Büschen oder Sträuchern, und nicht dekorativ auf Blumen. Wenn du also ohne Stativ fotografieren möchtest, musst du darauf achten, eine ausreichend kurze Belichtungszeit (z. B. 1/125 s) zu bekommen. Da dies oft gar nicht so einfach ist, bringe ich den Marienkäfer auf seinem Blatt an einen Ort, an dem ich das Wackeln des Buschs (durch Wind) und das Wackeln der Kamera (durch meine Hand) minimieren kann. Meist ist dies der Boden, der mir als natürliches Stativ dient. Dadurch erhalte ich mehr Stabilität, und der Marienkäfer ist nicht irritiert, da ich ihn ja samt „seinem“ Blatt mitgenommen habe.

Sei nicht zu impulsiv! Auch wenn du recht zügig arbeiten solltest: Verhalte dich möglichst ruhig und vermeide es, den Marienkäfer anzufassen. Er wird dich als Fressfeind ansehen und flüchten wollen. Durch die Wärme am Nachmittag sind die Käfer besonders aktiv, aber durch eine ruhige Hand kann man viel erreichen. Das Scharfstellen fällt anfangs sehr schwer, da man ja im Makrobereich arbeitet. Bewegt sich der Käfer nach dem Fokussieren auch nur einen Millimeter, kann das Bild schon wieder unscharf sein. Mit der Zeit entwickelt man hier jedoch ein Gespür, sowohl für den Bewegungsdrang des Insekts als auch für den richtigen Fokuspunkt.

Fotografiere den Marienkäfer möglichst auf Augenhöhe! Aufnahmen aus der Vogelperspektive sind zwar relativ einfach, meist bleibt es aber bei banalen Schnappschüssen, die einem nicht den Atem rauben. Es fehlt ihnen an Tiefe und sie spiegeln nicht die Welt wider, in der ein Marienkäfer lebt. Interessanter wird es, wenn du den Marienkäfer auf Augenhöhe betrachtest. So kannst du ein Gefühl erzeugen, als sei der Betrachter in die ganze Szenerie integriert. Das kann auch bedeuten, dass deine Klamotten schmutzig werden, denn du musst dich hinlegen und die Welt des Käfers aus seiner Perspektive sehen. Die Mühe lohnt sich, da du so eine größere Tiefe ins Bild bekommst. Außerdem hat man im Liegen eine ruhigere Hand, da man sich auf dem Boden abstützen kann.

Achte auf den Vordergrund! Pass auf, dass Objekte im Vordergrund nicht den Schärfepunkt „entschärfen“. Oft hat man ein vermeintlich perfektes Bild, doch dann ist da der eine Grashalm, der genau vor dem Gesicht des Marienkäfers erscheint und den wichtigen Augenkontakt unterbricht.

Finde das richtige Licht! Meide die direkte Sonne. Sie sorgt für harte und dunkle Schlagschatten ohne Detailzeichnung. Besser ist es, einen schattigen Ort mit indirektem oder „gefiltertem“ Licht zu suchen. Ideal ist zum Beispiel ein Platz unter einem Baum oder im Schatten eines Strauchs – oder eben ein Diffusor.

Geh nah dran! Ganz nah! Sei nicht schüchtern. Marienkäfer können weder stechen noch beißen, und tun einem somit auch nicht weh, wenn sie sich bedroht fühlen. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass sie wegfliegen. Geh deshalb so nah dran, wie es die Naheinstellgrenze erlaubt. So kannst du den größtmöglichen Abbildungsmaßstab erreichen. Pass aber auf, dass du dem Käfer-Motiv nicht das Licht raubst.

Soweit meine eigenen Erfahrungen mit der Marienkäferfotografie. Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig für diese etwas spezielle Art der Makrofotografie begeistern. Wenn man diese Tipps berücksichtigt und auch etwas Übung im manuellen Fokussieren hat, können wunderbare Bilder entstehen, die den Betrachter in die Welt der Marienkäfer eintauchen lassen.

Über den Autor: Olivia Michalski

Ich bin Olivia Michalski (1994) und komme aus Bochum. Leidenschaftlich gerne fotografiere ich seit 2010, und besonders hat es mir die Naturfotografie angetan. Insbesondere im Makrobereich zeige ich den Menschen gerne, was sie normalerweise übersehen würden. Wenn ich mal nicht hinter der Linse stehe, arbeite ich im Krankenhaus: Ich mache nämlich im Moment eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

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