Ein Objektiv entsteht
Das Design

- Objektiv Design
Der Bau hochwertiger Objektive erfordert viele Schritte, von denen der erste das Basisdesign ist. Die Definition der Zielgruppe und deren Bedürfnisse ist der Ausgangspunkt eines jeden Designs. Die Überlegung, ob das Objektiv für professionelle Anwender und anspruchsvolle Amateure oder für eine breitere Gruppe von fotografisch Interessierten gebaut wird, ist beim Entwurf von entscheidender Bedeutung. Diese Kriterien definieren das Leistungsniveau des Objektivs in den Kategorien optische Leistung, mechanische Konstruktion und die Flexibilität und Belastbarkeit beim Einsatz unter verschiedenen Bedingungen.
Ist die Zielgruppe definiert werden die folgenden Eckdaten des Objektives bestimmt:
- grundlegendes optisches Design
- verwendete Materialien der optischen und mechanischen Komponenten
- Festlegung der grundlegenden Bearbeitungsprozesse mechanischer Komponenten (hierzu zählt z.B. die Entscheidung ob ein Teil gegossen oder gefräst wird).
- Welcher Autofokus Typ verwendet wird (normaler Autofokus oder Innenfokussierung).
Um sich dem optischen Design eines Objektivs anzunähern, gibt es einige grundlegende Designtechniken, die als eine Art Vorlage dienen und in die Kategorien Weitwinkel, Teleobjektiv und Makro unterteilt sind.
Natürlich ist dies nur ein erstes grobes Raster und während des gesamten Entwicklungsprozesses muss sich der Designer vielen Herausforderungen stellen. Die Entwicklung und Verarbeitung neuer Materialien, angefangen beim optischen Glas über Metallkomponenten und Kunststoffen macht rasante Fortschritte und erfordert eine permanente Beschäftigung mit diesen Materialien und den zugrundeliegenden Produktionsprozessen. Einerseits eröffnet dies dem Entwickler eine ungeahnte Vielzahl an Möglichkeiten und Freiheiten beim Design hervorragender Produkte. Andererseits ist er jedoch dem Druck des Marktes ausgesetzt, der eine Reduzierung der Kosten bei besserer Leistung der Objektive fordert. Optimal ist ein Objektiv das eine hohe Leistung bei geringen Kosten bietet, egal ob das Objektiv für Profis oder Amateure gedacht ist.
Computersimulationen für effektive Produktionsvorbereitung
Nachdem das optische Design fertig ist, wird eine Computersimulation gestartet, mit der präzise Vorhersagen der Objektivleistung sowohl in der Bildmitte als auch im Randbereich gemacht werden können. Generell ist zu sagen, dass die Objektivhersteller viele eigene technologische Fortschritte gemacht haben und eigene Design- und Fabrikationstechniken entwickelt haben, die auf langjähriger Erfahrung beruhen. Dies beinhaltet auch die Computerprogramme die von den Firmen generell selbst programmiert werden und somit Eigentum der einzelnen Firmen sind.
In diesem Entwicklungsstadium wird festgestellt, ob das Objektiv die angestrebten optischen Leistungskriterien erfüllt. Sollten hier Probleme festgestellt werden, muss das Design überarbeitet werden.
Bahnbrechende Entwicklungen beim mechanischen Design
Gleichzeitig mit der Entwicklung des optischen Designs arbeiten andere Ingenieure am mechanischen Design und machen die optischen Eigenschaften für den Fotografen nutzbar. Die Bewegungen der optischen Elemente muss über einen langen Zeitraum und unter verschiedensten Umweltbedingungen fehlerfrei gewährleistet werden.
Mit jedem Mal, mit dem das optische Design anspruchsvoller wird, muss sich auch das mechanische Design entsprechend weiterentwickeln und teilweise konventionelle Bauweisen durchbrechen und neue Standards beim Objektivbau setzen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist Tamrons „Triple Cam Design“, das zum ersten Mal bei Tamrons revolutionärem 28-200mm F/3,8-5,6 eingesetzt wurde und eine Vielzahl von Preisen für innovatives Design und hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis gewonnen hat. Dieses Objektiv hätte ohne diese Innovation niemals so erfolgreich im Markt sein können. Inzwischen ist mit dem „Quad Cam“ eine Weiterentwicklung erfolgt, die beim 28-300mm Objektiv eingesetzt wird.
Prototypen für ausgiebige Praxistests

- Spezialfertigung
Sobald das mechanische Design eines Objektivs fertig gestellt ist, werden einige Prototypen gefertigt und deren Leistung unter verschiedenen Bedingungen bewertet. Diese Daten werden im Hinblick auf eine Massenproduktion im Rahmen einer Durchführbarkeitsstudie analysiert und festgestellt, ob sich das Objektiv mit vertretbarem Aufwand in die Praxis umsetzen lässt. Auflösung, Kontrast und Farbwiedergabe werden bei allen Blendeneinstellungen und im Falle von Zoomobjektiven, auch bei allen Brennweiten, sorgfältig getestet. Diese Tests werden sowohl im Labor mit Testcharts, als auch im Feldversuch unter verschiedenen Lichtbedingungen (z.B. im Gegenlicht, im Schatten usw.), durchgeführt.
Danach werden die Prototypen unter verschiedenen Temperatur- und Umweltbedingungen auf Praxistauglichkeit getestet. Die Auswirkungen der verschiedenen Bedingungen auf mechanische Teile wie Fokussierring, Blendenring und Blendenlamellen werden sorgfältig protokolliert. Außerdem werden die Objektive einem beschleunigten Alterungstest im Labor unterworfen und die Haltbarkeit getestet. Die Daten dieser Tests dienen den Ingenieuren zur Perfektionierung des Designs.
Der Autofokus wird entwickelt
Mit Fertigstellung des optischen und mechanischen Designs wird der Autofokus des Objektivs entwickelt. Hierbei muss die vollständige Kompatibilität mit den Kamerafunktionen der jeweiligen Hersteller gewährleistet werden. Dies bedeutet einen großen Aufwand an Software-Entwicklung. Die Funktionen werden dann am Prototypen getestet und das Feintuning in Abstimmung mit der Mechanik beginnt. Als Resultat entsteht ein individueller Mikrochip, der die Steuerung des Autofokus übernimmt und im Objektiv integriert wird.
Die Vorbereitungen zur Serienproduktion
Das Objektivdesign ist damit abgeschlossen und der Produktionsprozess kann beginnen. Viele Einzelteile müssen nun in einem abgestimmten Arbeitsprozess zu einem fertigen Produkt integriert werden.
Glaselemente

- Asphärische Linsen
Das optische Glas wird von Glasherstellern oft in Tafeln geliefert, die in Elemente bestimmter Größe zerschnitten werden, die dann dem ersten Schleifprozess unterworfen werden. Dieser erste Prozess wird im sogenannten „Kurvengenerator“ vorgenommen, in dem die grobe Form des Elements, die entweder konkav oder konvex sein kann, vorgegeben wird. In einer Reihe von Schleifprozessen nähert sich das Glaselement seiner endgültigen Form, wobei mit jedem weiteren Prozess die Partikel der eingesetzten Schleifpaste immer feiner werden. Die Geschwindigkeit mit der das Glaselement seine Form annimmt variiert je nach Charakteristik des Materials und der angestrebten Kontur und Form. Typische Materialien wie LD-Glas (low dispersion) oder AD-Glas (anomalous dispersion) benötigen, wegen ihrer Eigenschaften (Härte, Zerbrechlichkeit und Oxidation), einen längeren Schleifprozess. Die relativ hohen Kosten dieser Elemente hängen auch mit diesen aufwändigeren Prozessen zusammen. Dieser Aufwand ist jedoch in jedem Fall gerechtfertigt, da erst mittels dieser High Tech Glasmaterialien in modernen und komplexen Objektiven Abbildungsfehler wie die chromatische Aberration effektiv reduziert werden können.
Nach dem Polieren der Elemente werden diese einer Prozedur unterworfen, der die perfekte Zentrierung gewährleistet. Die Mitte des Elementes wird hier äußerst präzise auf die optische Achse justiert.
Ein anderer Typus von optischen Elementen ist sind die sogenannten Hybrid Asphärischen Elemente. Diese Elemente werden zur Korrektur eines Abbildungsfehlers benötigt, den man sphärische Aberration nennt. Danach werden Lichtstrahlen, die durch sphärische Elemente gebrochen werden, in der Bildebene nicht auf einen Punkt fokussiert. Dadurch entsteht ein Qualitätsverlust im Bild. Durch asphärische Elemente (dies bedeutet Elemente die nicht aus einer Kugel abgeleitet werden können), kann dieser Fehler weitgehend eliminiert werden. Außerdem lässt sich durch den Einsatz asphärischer Elemente die Verzeichnung eines Objektivs effektiv reduzieren. Man verwendet dabei eine Kombination aus Glas und Kunststoff, bei dem der Kunststoff in einem speziellen Prozess mit dem Glas verklebt wird. Die entstehende asphärische Linse wird dann mittels des Zentrierungsprozesses fertig gestellt.
Die Vergütung – ultradünne Schichten mit großer Wirkung

- Mehrschicht Vergütung
Die letzte Stufe der Herstellung von optischen Komponenten stellt die sogenannte Vergütung dar. Dieser Prozess ist ein kritischer Faktor bei der Linsenproduktion und jeder Objektivhersteller hat hier eine eigene Methode entwickelt. Bei diesem Prozess werden - meist mehrere - dünne und transparente Metalloxid Schichten auf die Linsenoberfläche aufgebracht. Diese dienen zum einen dem Schutz vor Oxidation und zum anderen vermindern sie die Reflektion von Licht an der Glasoberfläche. Reflektionen verringern zum einen die Lichtdurchlässigkeit eines Objektives (an jeder Linsenoberfläche gehen etwa 4% des Lichtes durch Reflektion verloren), zum anderen sind sie hauptsächlich für verminderten Kontrast in der Bildebene verantwortlich und können die Qualität eines Objektives erheblich mindern.
Bei der Entwicklung dieser sogenannten Mehrschichtvergütung wird streng auf ein ausbalanciertes Farbspektrum geachtet und die entsprechende Transmissionen für die Spektralfarben Lichtes berechnet um eine ausgewogene Darstellung der Farben im Bild zu gewährleisten. Inzwischen hat Tamron eine Technik entwickelt, die es erlaubt auch die Flächen von Linsenelementen zu vergüten, die zu einer Gruppe miteinander verklebt sind. Dieses sogenannte Internal Surface Coating („Interne Oberflächenvergütung“) ist eine weitere Maßnahme um Reflektionen zu vermindern und eine höhere Bildqualität zu garantieren.
Die mechanischen Teile

- Spritzgussform
Der Objektivtubus und andere mechanische Teile werden in einem Druckguss-Prozess hergestellt oder bekommen in einem mechanischen Bearbeitungsprozess ihre endgültige Form. Teile die mit Steuerungskurven ausgestattet sind, die der Steuerung des Zooms bzw. der Fokussierung dienen, sind am kritischsten, da diese einen direkten Einfluss auf die optische Qualität des fertigen Objektives haben. Heutzutage werden für viele Teile hochfeste und modernste Kunststoffe eingesetzt, die mittels einer ultra-präzisen Spritzgusstechnik gefertigt werden und einen effizienten Produktionsprozess gewährleisten. Außerdem können auf diese Weise sehr kompakte und leichte Objektive gebaut werden.

- Komponenten eines Objektivs
Auf die internen Oberflächen der Objektivtuben werden sorgfältig nicht reflektierende Schichten aufgebracht. Dies ist ebenfalls ein kritischer Prozess, da Reflexe durch im Objektiv vagabundierendes Streulicht eine erhebliche Verminderung der Bildqualität zu Folge haben.
Serienproduktion

- Objektivfertigung

- Qualitätskontrolle
Nachdem alle Teile gefertigt sind, wird das Objektiv gefertigt. Einige Schlüsselkomponenten, wie der Blendenmechanismus, werden als Untergruppen vorab zusammengebaut und getestet. Dadurch gewährleistet man die Produktionseffizienz und die Präzision empfindlicher Teile, die durch das Design vorgegeben ist. Sind alle kritischen Teile wie Glaselemente und Blende exakt positioniert, wird das Objektiv endgültig zusammengebaut.
Danach werden noch verschiedene Einstellungen vorgenommen, damit das Objektiv den Spezifikationen der Designer entspricht. In einer Endkontrolle werden die mechanischen Bewegungen, die optische Auflösung und der Autofokus kontrolliert. Abhängig vom jeweiligen Objektiv kommt noch ein Vibrations- bzw. ein mechanischer Schocktest hinzu. Sind alle Abstimmungen und Tests endgültig, beginnt die Serienproduktion und das Objektiv wird im Markt eingeführt. Auch während der Serienproduktion werden ständig Kontrollen und Tests durchgeführt, um zu gewährleisten, dass die hohen, durch die ISO 9001 zertifizierten, Qualitätsmanagementstandards eingehalten werden. Bei Tamron werden außerdem alle Produktionsprozesse auf ihre Umweltverträglichkeit untersucht und ständig optimiert. Tamron erfüllt in dieser Hinsicht schon seit Jahren die strengen Auflagen der ISO 14001 und fördert Maßnahmen zum Schutz der Umwelt im Unternehmen.
