Kolumbien – eine Reise

La Mariposa, Der Schmetterling - Wahrzeichen des Colegio de las Aguas; F=18mm, 1/100s, f=6,3

Von Michael Dickel, Tamron Marketing Manager

1. Das Projekt

Im April 2011 hatte ich die Gelegenheit auf einer privaten Reise nach Cali in Kolumbien, ein Schulprojekt kennen zu lernen, das mich ungemein beeindruckt hat. Ich hatte Gelegenheit mich über mehrere Tage in einer Schule aufzuhalten, die Kinder aus unterprivilegierten Familien der Umgebung unterstützt. Ich konnte in der Schule fotografieren, da der Initiator des Vereins, Andrés Bäppler, ein alter Jugendfreund von mir ist. Dabei kam mir unser 18-270mm zur Hilfe, mit dem ich die Kinder der Schule, die beeindruckende Architektur, sowie die Natur der Umgebung ablichtete.
Aber der Reihe nach. Ende des Jahres 2002 beschließen Andrés Bäppler und seine Frau Ulla Schuch den Verein „Schule fürs Leben“ in Deutschland zu gründen.

Das Original - Vorbild; F=270mm, 1/40s, f=10

Die beiden hoffen so, den seit vielen Jahren gehegten Wunsch zu realisieren, in Kolumbien, dem Heimatland von Andrés Bäppler, eine Schule für mittellose Kinder zu gründen. Andrés Bäppler lebt die ersten fünf Jahre seines Lebens selbst als mittelloses Kind mit seiner Mutter in Montebello, Kolumbien. Im Alter von 6 Jahren holt ihn sein deutscher Vater nach Deutschland, er soll eine vernünftige Ausbildung bekommen. Er wächst heran, studiert Architektur und gründet eine Familie. Er könnte ein beschauliches Leben haben, aber der Gedanke an seine alte Heimat läßt ihn nicht los. Dort gibt es keine Garantie auf eine gute Ausbildung und Kinder haben keine Möglichkeit einen vernünftigen Beruf zu erlernen. Andrés will der Chancenlosigkeit der Kinder in Kolumbien etwas entgegensetzen.

Kinder in Montebello; F=76mm, 1/250s, f=9

Die Gründung des Vereins „Schule fürs Leben e.V.“ erfolgt zusammen mit 11 Freunden von Andrés im Jahr 2003 in Frankfurt am Main. Der Verein wird als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.
Um in Kolumbien aktiv werden zu können braucht der Verein eine Partnerorganisation vor Ort. Zu diesem Zweck gründet sich 2004 in Cali der eigenständige, gemeinnützige Verein ‚Fundación Escuela para la Vida‘ als Pendant zur ‚Schule fürs Leben e.V.‘ Alle Spendengelder die vom deutschen Verein gesammelt werden, fließen an die Fundación in Kolumbien. Im September 2004 eröffnet die Fundación mit Hilfe des deutschen Vereins in dem Flüchtlingsort Montebello in der Nähe von Cali eine Grundschule für 40 Kinder: Das ‚Colegio de las Aguas‘ (Die Schule des Wassers). Für den ersten Jahrgang wird ein Grundstück mit einer einfachen Halle und einem darauf befindlichen Naturwasserbecken gemietet.

Unterricht im Colegio de las Aguas; F=18mm, 1/30s, f=3,5, VC eingeschaltet
Bildung ist das zentrale Thema; F=142mm, 1/100s, f=5,6, VC eingeschaltet
Die Schule fördert Talente; F=270mm, 1/40s, f=7,1, VC eingeschaltet

Die Schule wächst kontinuierlich und hat im Jahr 2005 schon 95 Schüler sowie 6 Lehrer, 2 Köchinnen, 1 Hausmeister und eine Buchhalterin. Die Kinder lernen schreiben, lesen und rechnen. Außerdem den Umgang mit dem Computer. Sie erhalten Unterricht in Kunst, Musik, Sport und heimischer Kultur. Weiterhin erhalten Sie täglich zwei Mahlzeiten. Um als Schule durch den kolumbianischen Staat anerkannt zu werden, benötigt die Schule jedoch ein Grundstück. Im Jahr 2006 wird ein 27.000 qm großes Grundstück am Ortsrand von Montebello gekauft. Die Kinder müssen umziehen und werden zunächst in einem vorhandenen alten Gebäude untergebracht. Die Verhältnisse sind bescheiden und von Anfang an ist klar, dass die Schule mehr Raum braucht. Noch im gleichen Jahr beginnt die Planung eines neuen Schulgebäudes.

Beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wird ein Fördergeldantrag gestellt. Im Mai 2006 wird ein Betrag von 37.500 Euro bewilligt und im August 2006 beginnt der Bau der neuen Schule. Das neue Schulgebäude wird aus Guadua, dem heimischen Bambus, gebaut. Als nachwachsender Rohstoff hat Guadua viele Vorteile: Er ist kostengünstig und Ressourcen schonend und außerdem fördert sein Einsatz die Wiederbelebung traditioneller kolumbianischer Baumethoden. Die Schule bekommt, als weitere Besonderheit für diese Gegend, ein Ziegeldach. Im Februar 2007 ist es dann soweit: das neue Schulgebäude wird eingeweiht. Die Anziehungskraft des neuen Gebäudes ist enorm: schon morgens bevor das Tor geöffnet wird stehen die Schüler Schlange am Eingang. Im gleichen Jahr wird ein Förderantrag beim BMZ auf einen multifunktionalen Speisesaal und Küche gestellt. Das neue Gebäude soll Wahrzeichen der Schule werden und nennt sich, wegen seiner außergewöhnlichen Form La Mariposa, zu Deutsch Schmetterling.

Essen...; F=59mm, 1/125s, f=5,6, VC eingeschaltet
...ist nicht selbstverständlich. Manche Familien können...
...sich die 60c für eine Mahlzeit nicht leisten...
...und werden vom Förderverein unterstützt.
Bambus ist ein schnell nachwachsender und an das Klima angepasster Rohstoff für Bauten

Der Antrag wird im Juli bewilligt und mit dem Bau wird im Januar 2008 begonnen. Das Schulprojekt zeigt Wirkung nach außen und der Verein wird zum Arbeitgeber in der Region: Victor Carabali, ungelernter Arbeiter und Vater zweier Mädchen, die die Schule besuchen, zieht sich ohne Zutun von außen einen kleinen Bautrupp von 8 Arbeitern heran und übernimmt erfolgreich die Rohbauarbeiten für die ‚Mariposa‘. Endlich übernimmt das Schulamt in Cali auch einen Teil der Lehrergehälter, was eine bedeutende Entlastung des Vereins bedeutet. Überhaupt nimmt das Projekt jetzt an Fahrt auf: im Februar 2008 wird ein BMZ Antrag zum Bau von Ausbildungswerkstätten für ansonsten chancenlose Jugendliche genehmigt und im Juli des gleichen Jahres wird die Kooperation mit dem „WeltWärts“ Programm des BMZ eingeleitet.

Dieses Programm entsendet Freiwillige auf ehrenamtlicher Basis zur Unterstützung von Projekten in Entwicklungsländer. Bis ins Jahr 2011 werden die Bambuswerkstätten, eine Dachziegelproduktion und eine Lehrküche eingerichtet. Außerdem muss ein neues Schulgebäude her, da die Schule aus allen Nähten platzt. Dieses wird im Jahr 2010 fertig gestellt.

Die Ausbildungswerkstätten bilden Jugendliche im Umgang mit Bambus aus; F=270mm, 1/40s, f=7,1, VC eingeschaltet

Als ich das Projekt im Frühjahr 2011 besuchte, wurde mir die Bedeutung von Bildung für die Menschen vor Ort drastisch vor Augen geführt. Um dem Sumpf aus Kriminalität, Drogen und Gewalt zu entkommen, gibt es kaum eine andere Chance als den Menschen Perspektiven durch Bildung zu geben. Menschen wollen lernen, wollen weiterkommen, sich entwickeln und wissen oft einfach nicht wie. Hier hilft das Colegio de las Aguas. Die Schule liegt oberhalb eines Wohngebietes in dem viele Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand leben.

Schaut man sich dort um, wird einem schnell klar, wie viel noch zu tun ist. Kommt man dann in die Schule, kann man besichtigen wie viel schon getan ist. Die Schule ist eine Oase des Lernens und ein Sprungbrett für die Kinder in ein besseres Leben. Das Engagement der Menschen in den Vereinen, allen voran das von Andrés Bäppler, ist beeindruckend. Mit der Philosophie des Vereins „Fischen lehren statt Fische schenken“ ist der Verein schon weit gekommen.

All dies hat uns bei Tamron so beeindruckt, dass wir die geplanten weiteren Aktivitäten gerne mit einem finanziellen Beitrag unterstützen und die entstandenen Bilder dem Verein zur Nutzung zur Verfügung stellen. Bitte unterstützen Sie das Projekt entweder finanziell oder auch durch Tatkraft. Jede kleine Spende hilft.

Die Bohrung eines sog. „Fischmauls“ ....; F=200mm, 1/60s, f=6,3, VC eingeschaltet
.....ist eine Kunst für sich; F=92mm, 1/40s, f=6,3, VC eingeschaltet

Hier geht es zur Website von Montebellos Kindern:
Montebellos Kinder - Förderverein Schule fürs Leben e.V.