
Der Winter hat am Wochenende wieder in vielen Regionen sein weißes Kleid ausgebreitet. Den Autofahrer freut es nicht, aber dafür haben Kinder und Fotografen Ihren Spaß. Während die einen rodeln und sich mit Schneebällen bewerfen, stapfen die anderen durch hohen Schnee und Eiseskälte, auf der Jagd nach den besten Motiven und dem perfekten Bild.
Auch wir konnten nicht widerstehen und haben uns am Montag spontan aufgemacht, um am Fühlinger See in Köln ein paar Bilder für diesen Winter Fototipp zu schießen. Das Wetter hat uns zwar nicht mit einem klaren, blauen Winterhimmel verwöhnt (dafür war es umso kälter an den Fingern), aber, wie Sie später sehen werden, kann auch ein trübes Wetter für besondere Stimmung sorgen.
Generelles
Auch wenn sich die Fotografie an sich im Winter nicht großartig von der im Sommer oder Herbst unterscheidet, so gibt es doch einige Dinge, die Fotografen beachten sollten:
Im Winter ist es kalt! Diesen Punkt sollte man nicht unterschätzen, wenn man stundenlang das kalte Stativ oder die Kamera anfasst. Besser also an Handschuhe denken, am besten welche mit denen man vernünftig die Knöpfe der Kamera bedienen kann.
In kalten Jahreszeiten sinkt die Leistung von Batterien und Akkus und sie können sich schneller entladen. Ein Zweitakku ist also keine schlechte Idee – sollte jedoch eh in einer vernünftigen Fototasche seinen Platz haben.
Durch die großen Temperaturunterschiede beschlagen Objektive oftmals, wenn man aus der Kälte ins Warme kommt. Abhilfe kann hier geschaffen werden, wenn Sie Objektiv und Kamera vorübergehend luftdicht in einer Plastiktüte verpacken, damit sich die Temperatur langsam anpassen kann.
Bei der Fotografie im Schnee bietet sich an die Belichtungskorrektur auf ca. +0,7 zu setzen, d.h. das Foto leicht überbelichten. Aufgrund des Schnees (große weiße Flächen), haben Kameras oft Probleme und würden das Bild sonst relativ dunkel belichten, da der Belichtungsmesser von einer neutralen grauen Fläche ausgeht. Je nach Wetter und Lichtstimmung sollte dieser Wert angepasst werden. Am besten einfach ausprobieren, wie es in der jeweiligen Situation am besten passt.
Landschaft und die verschiedenen Stimmungen
Eine der Grundregeln der Fotografie wird in unseren Fototipps immer wieder aufgegriffen: Die Komposition anhand des Goldenen Schnittes. Der Einfachheit halber kommen Sie dieser Regel nahe, indem Sie das Bild horizontal und vertikal in drei Teile unterteilen. Wenn Objekte entlang dieser Schnittlinien angeordnet werden, wirken diese oft harmonischer für den Betrachter.
Auch ein Brechen dieser Regel kann dem Bild förderlich sein, sei es ob bestimmte Dinge betont werden oder eine Bildwirkung verstärkt wird.
In der Landschaftsfotografie ist das Licht ein sehr wichtiger Faktor. Je nach Wetterlage und Licht erhalten Bilder schnell eine komplett andere Wirkung.
Vergleichen Sie die beiden Bilder: Das eine wurde bei einem fast idealtypischen Wintertag aufgenommen. Das andere Bild ist bei unserem Fotoshooting Anfang 2010 am Fühlinger See entstanden. Die kalte Winterlandschaft wird dabei durch die monotone Färbung und die trübe Stimmung verstärkt. Obwohl beide Bilder eine Winterlandschaft zeigen, ergibt sich ein komplett anderer Eindruck!
Bildausschnitt
Das Standardformat der digitalen Fotografie ist 4:3. Sehr reizvolle Effekte können entstehen, wenn das Format beschnitten wird, so dass es entweder quadratisch oder breiter wird (z.B. 16:9).
Im ersten Fall wurde der Baum im Vordergrund auf der bekannten Drittel-Linie platziert. Durch das Panorama-Format werden die horizontal verlaufenden Äste stärker betont.
Das nächste Bild wurde auch beschnitten, um die eingefrorenen Steine zu betonen.
Details und Strukturen
Die winterliche Natur verwöhnt uns Fotografen mit Details und Strukturen, die es in der Form im restlichen Jahr nicht zu sehen gibt. (Es sei denn Sie wohnen in Sibirien…)
Die vereisten Blätter sind sicher ein Motiv, dass immer wieder gerne zum Einstieg genommen wird.
Mit speziellen Makroobjektiven wie dem Tamron SP AF 60mm F/2 Macro 1:1 können Sie aufgrund der großen Blende F/2 den Hintergrund komplett unscharf darstellen. Wie hier zu sehen ist, ist die daraus resultierende Schärfentiefe nur einige Millimeter tief. Die vordere Kante der Schneeflocken und ein Stück vom Ast werden scharf gezeichnet, der Rest verschwindet mehr oder weniger im diffusen Hintergrund und lenkt den Blick auf die scharfe Spitze des Astes. Wäre für dieses Bild eine kleine Blende (d.h. geschlossene Blende bzw. größerer Blendenwert wie F/8 oder F/16) gewählt worden, würde der Hintergrund detailreicher dargestellt werden und den Betrachter ablenken.
Das Spiel mit der Blende sorgt auch bei anderen Objekten für eine Verbesserung der Bildwirkung. Das erste Bild der Bank wurde mit Blende 8 aufgenommen, während bei der zweiten Version die Offenblende F/2.8 des Tamron SP AF28-75mm F/2.8 Di verwendet wurde. Wie Sie sehen verschwimmt der Hintergrund bei der zweiten Version deutlich stärker und verleiht der gleichen Bank in diesem Fall deutlich mehr Tiefe.
Farbe und stilisierte Monotonie
In weißen Winterlandschaften wird Farbe größtenteils verdeckt. Aber auch in der kältesten Eiswüste gibt es irgendwo bunte Flecken. Durch den Kontrast von monotonen Winterfarben und weißem Schnee zu knalligem Rot der Pflanze ergibt sich in diesem Beispiel ein spannender Kontrast. Dieses Foto ist auch ein Beispiel für eine diagonale Bildaufteilung. Durch die extreme Unschärfe im Hintergrund, hervorgerufen durch Blende f2 von unserem Tamron SP AF 60mm F/2 Macro wird der roter Stängel und das darauf sitzende Eis betont.
Im nächsten Beispiel sehen wir ein fast undefinierbares Objekt, dass im zugefrorenen See gefangen ist. Auch hier ergibt sich aus der extrem monotonen Eisfläche und dem blauen Farbtupfer eine Spannung, die es als normales Objekt nicht gehabt hätte.
Das Bild der Möwe ist mit dem Reisezoom Tamron 18-270mm F/3.5-6.3 Di II VC entstanden. Wie zu sehen ist, kann der Autofokus auch bei schnellen, beweglichen Objekten gut mithalten. In diesem Bild wurde die Möwe genau im richtigen Moment, in der Aufwärtsbewegung der Flügel, getroffen. Die Möwe hebt sich durch die dunklen Flügelspitzen, dem Schnabel und die Füße vom monotonen Winterhimmel ab. Eine ähnliche grafische Anmutung wird auch im nächsten Beispiel sichtbar.
Der eingeschneite Wald mit den schwarzen Stämmen und Ästen bildet dabei einen starken Kontrast zu weißen Hügel und Himmel und hebt sich dadurch vom Hintergrund ab.
Wie Sie sehen können, sind auch bei vermeintlich schlechtem Wetter reizvolle Ansichten möglich.
Ein Tipp noch am Ende: Nehmen Sie sich eine Thermoskanne mit einem Heißgetränk Ihrer Wahl mit. In der Fototasche ist sicher irgendwo noch Platz…













