„Unglaubliches Indien“ – Eine spontane Foto‐Tour durch Indien
Von Manuel Gomez Dardenne
„Incredible India“, so lautete die Überschrift eines Mitte dieses Jahres im Fernsehen ausgestrahlten Werbetrailers, der das Land mit imposanten Aufnahmen anpries. Und sie wirkten. Die Lust, das Land zu besuchen stieg, ein Reiseführer, ein Ticket sowie ausreichend Medikamente waren schnell gekauft. Das Wichtigste für mich war jedoch die Kamera‐Ausrüstung, die für meine 2‐wöchige Reise und die damit verbundenen zahlreichen Ortswechsel nicht nur so leicht, sondern auch so flexibel wie möglich sein sollte. Mit meiner alten 10 Megapixel‐Kamera und dem Tamron 18‐270mm F/3,5‐6,3 Di II VC PZD Reisezoom‐Objektiv im Gepäck, startete eine unvergessliche Foto‐Tour.
Das erste, was mir von einem erfahrenen Indien‐Touristen geraten wurde, war: „Akzeptiere das Land“. In Neu‐Delhi schien dieser Ratschlag bitter nötig und es zeigte sich, dass in diesem Teil der Welt die Menschen wie auch die Tiere anders ticken.
Der Reiseweg der ersten sechs Tage sollte kreuz und quer durch Zentralindien führen. Das „goldene Dreieck“, eine Route mit vielen Sehenswürdigkeiten, wäre aber in dieser kurzen Zeit allein mit dem Zug kaum zu bewältigen, und so war ein Auto inklusive privatem Fahrer die einzige und gar nicht allzu teure Option.
Eine der ersten Stationen war Rantambore, ein kleiner Ort mit tropisch‐mediterranem Klima und der Hauptattraktion
eines Natur‐Reservats mit einigen Tigern. Leider bekamen wir jedoch keine einzige Wildkatze zu sehen, und so musste
die Zoom‐Funktion an anderen Tieren ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen.
Schrille und kräftige Farben und beeindruckende Architekturen offenbarten sich in weiteren Städten wie Jaipur, Pushkar oder Agra. Die wohl schönste und monumentalste Grabmoschee ist das Weltwunder Taj Mahal, dessen ausländische Besucher das 36‐fache des üblichen Eintrittspreises bezahlen müssen. Zahllose Anwesende, hauptsächlich Inder, füllten jeden Blickwinkel.
Natürlich ereilte uns nach wenigen Tagen bereits die bekannte „Reise‐Krankheit“, die in meinem Fall für 40 Grad Fieber sowie eine kurzweilige Beschränkung auf Grundnahrungsmittel sorgte. Das hervorragende und günstige indische Essen
war jedoch so geschmackvoll, dass wir einen Kochkurs bei einer einheimischen Familie absolvierten. Mit Fachwissen über die verschiedenen Gewürze und in der Hoffnung, bald die leckeren Teigfladen „Chapatis“ selbst herstellen zu
können, verbrachten wir weitere unvergessliche Tage in den nächsten Etappen Kajuraho und Orchha.
Die Temperaturen waren über die gesamte Reisezeit hinweg sehr hoch (Nachts um 23Grad, Tagsüber um 33Grad) und die harten Wechsel zwischen der Außenluft und dem durch Klimaanlage gekühlten Fahrzeuginneren anstrengend.
Nichtsdestotrotz ist die Reisezeit Ende Oktober bis Anfang November ideal. Die heißesten Sommermonate und die Monsunzeit bereits hinter sich gelassen, bietet sich das Reiseziel Indien besonders für die Flucht vor herbst‐ und winterlich kühlen Tagen unserer Region an.
Das Fotografieren war die reinste Freude. Während der Aufenthalte innerhalb der Städte entwickelte ich meist eine Lust, die Menschen in ihrer Eigenart mittels Portraits festzuhalten. Auch hierfür eignete sich der Breite Brennweitenbereich des Tamron 18‐270mm hervorragend; insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die interessanten Gesichter in diesem Land anscheinend nicht gerne fotografiert werden oder man oft Bildrechte in Form von einigen hundert Rupien erwerben soll.
Obwohl ich mir für die Reise vorgenommen hatte, jeden Abend die Speicherkarten von fehlerhaften Schüssen zu befreien, hatte ich nach wenigen Tagen bereits 4GB, dann 8GB und schließlich nach 5 Tagen bereits 16GB Rohdaten auf den „digitalen Film“ gebannt. Es gibt einfach zu viele Motive in diesem Land. Die Nutzung des Bildstabilisators im Objektiv hat sich für mich bewährt, da sich oft interessante fotografische Gelegenheiten in schlecht beleuchteten Gassen auftaten.
Eines der amüsantesten Erlebnisse in Indien waren für mich die sprachlichen Erfahrungen mit den Einheimischen. Obwohl Englisch zweite Amtssprache in Indien ist, schien es, als beherrschten viele Inder nur die nötigsten Aussagen wie „No Problem“, „You decide“ oder „You are boss“.
Noch kurioser waren meist die Antworten auf von mir gestellte Fragen. Verstand jemand nicht genau, was ich auf Englisch formulierte, entgegnete man mir in der Regel Wortfragmente, deren ich mich zuvor selbst bedient hatte. Mit einem gegenseitigen Nicken und Lächeln versiegten solche Kommunikationsversuche allerdings schnell.
Eine der nächsten Stationen war Varanasi. Diese am heiligen Fluss Ganges gelegene Stadt mit rund 1,2 Millionen Einwohnern gilt vielen Hindus als heiligste Stätte. Zahllose Inder reisen im hohen Alter oder bei schwerer Krankheit hierher, in der Hoffnung, von dort ins Paradies zu gelangen. Zum Glück lag zu diesem Zeitpunkt meine Körpertemperatur wieder auf Normalniveau und die Reisekrankheit war ausgestanden.
Um die anstrengende Reise durch Zentralindien harmonisch ausklingen zu lassen und danach weiter nach Süd‐Indien zu fliegen, entschlossen wir uns zu einer spontanen Zugfahrt zurück nach Neu‐Delhi.
Im rustikal anmutenden Schlafwagen der 1. Klasse verbrachten wir und unsere europäischen, asiatischen, russischen und amerikanischen Mitreisenden die Nacht auf harten, dreifach aufgestockten Pritschen. Die Atmosphäre ließ jedoch jedes aufkommende Nörgeln im Keim ersticken.
Nach all den Eindrücken, an die man sich langsam und sehr gerne gewöhnte, war die im Südwesten gelegene Stadt Goa das letzte Ziel dieser viel zu kurzen Reise.
Empfehlenswert war die Anmietung eines Motorrollers für umgerechnet 1,50€ am Tag, mit dem wir mehrere Naturschutzgebiete und die Region erkunden konnten. Und bei dem Verkehr, der im Vergleich zum Norden „etwas“ gemäßigter war, machte ich mir trotz leicht hakelnder Lenkung nicht einmal Gedanken über die fehlende Helmpflicht.
An einem ruhigen und einsamen Strand erholten wir uns und sogar die Fotoausrüstung durfte ein wenig im Sand versinken. Aber natürlich immer wohlbehütet in der kompakten Kameratasche. Eine grandiose Foto‐Reise durch ein atemberaubendes und aufregendes Land. Beim nächsten Mal gerne ein paar Wochen länger.





























