
Was ist eigentlich Makrofotografie?
Bei der Makrofotografie wird ein so großer Abbildungsmaßstab eingesetzt, dass kleinste Details, die mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen sind, sichtbar gemacht werden. Dies beschränkt sich nicht nur auf Blumen oder Tiere, auch Alltagsgegenstände und Steine enthüllen bezaubernde und faszinierende Ansichten.
Was brauche ich für die Makrofotografie?
Da bei der Makrofotografie in der Regel mit einer sehr kurzen Distanz zu dem Objekt gearbeitet wird, führen Vibrationen und Zittern sehr schnell zu unscharfen Bildern. Auch die Schärfentiefe (also der Bereich, der in dem Bild scharf dargestellt wird) ist sehr schmal. Deswegen empfehle ich grundsätzlich den Einsatz eines guten, stabilen Statives, das sich präzise einstellen lässt.
Ebenso nutze ich fast immer einen Fernauslöser, um beim Auslösen nicht zu verwackeln. Bei extremen Abbildungsmaßstäben (1:1 oder größer) nutze ich die Möglichkeit der Spiegelvorauslösung, die sich bei vielen Kameramodellen einschalten lässt. Hierbei wird bei dem ersten Auslösen zunächst der Spiegel der Kamera hochgeklappt. Erst bei dem zweiten Drücken des Auslösers wird der Vorhang ausgelöst, der die eigentliche Belichtung ausführt. Dies hat zum Vorteil, dass die Vibration durch den schweren Spiegel erst abklingen kann, bevor das eigentliche Foto gemacht wird. Hierdurch wird erreicht, dass die Verwackelungsunschärfe auf ein Minimum reduziert werden kann.
Je nach Motiv und Lichtsituation ist auch ein kleiner Reflektor hilfreich, um die Ausleuchtung zu verbessern. Bei der Insektenfotografie in der freien Natur ist dies jedoch oft nicht möglich, da bei dessen Verwendung die Tiere sofort die Flucht ergreifen.
Das bei weitem Wichtigste sind jedoch Geduld und große Speicherkarten, denn sehr viele Bilder landen im Papierkorb.
Was gilt es zu beachten?
Möchten Sie Tiere in ihrer vollen Größe ablichten, ist es von immenser Bedeutung, die Kamera möglichst parallel zu dem Tier auszurichten, da sonst das Tier nicht komplett scharf abgebildet werden kann.
Die Schärfentiefe wird, je höher die Brennweite und je kürzer der Abstand zum Motiv ist, immer kleiner. Sie beträgt bei offener Blende oft weniger als ein Millimeter. Je genauer also die Ausrichtung vorgenommen wird, desto besser kann der Hintergrund freigestellt, das heißt unscharf, dargestellt werden. Dazu sollte eine möglichst kleine Blendenzahl (große Blendenöffnung) eingestellt werden. Hierdurch zieht man den Blick des Betrachters auf das Motiv und lenkt ihn nicht durch einen unruhigen Hintergrund ab. Um die Schärfentiefe zu überprüfen, haben fast alle Kameramodelle eine Taste, mit der die Schärfentiefe kontrollieren werden kann. Dies ist sehr hilfreich, um die Balance zwischen Freistellung und Schärfe zu überprüfen.
Sollte die Ausrichtung nicht parallel möglich sein, sollte darauf geachtet werden, dass immer die Augen scharf abgebildet werden, da dies ein primärer Punkt ist, auf den der Betrachter zuerst seinen Blick richtet. Auch orthogonale oder perspektivische Aufnahmen haben ihren Reiz, da in Kombination mit einem Schärfeverlauf ein stark plastischer, dreidimensionaler Eindruck vermittelt werden kann.
Bei Aufnahmen durch eine Scheibe sollte darauf geachtet werden, dass kein Licht zwischen Objektiv und Glasscheibe gelangen kann, da sonst Reflexionen die Kontraste und Farbwiedergabe stark beeinträchtigen. Oft hilft schon das Abschatten des Scheibenbereiches mit der Hand. Ideal ist ein schwarzes Tuch, welches mit einem Ring an dem Objektiv befestigt wird und dann an die Scheibe gehalten wird.
Grundsätzlich empfehle ich eine Unterbelichtung von 2/3 Blendenstufen, da die Belichtungsautomatik der Kameras bei Makros oft nicht mit der Dynamik solcher Aufnahmen umgehen kann. Hiermit vermeiden Sie Überbelichtungen, die im Nachhinein oft nicht mehr korrigiert werden können. Die Fokussierung nehme ich in der Regel manuell vor, da der Schärfepunkt so viel besser kontrollierbar ist. Alle Tamron Makroobjektive bieten hierfür eine exzellente Einstellungsmöglichkeit.
Ebenso sollten die Bilder immer im RAW-Format gespeichert, um möglichst viele Bildinformationen für eventuelle Farbtemperatur- und Belichtungskorrekturen zur Verfügung zu haben.
Die besten Zeiten für die Makrofotografie im Freien sind die frühen Morgenstunden und kurz vor dem Sonnenuntergang. Auch Tau birgt sehr reizvolle Aufnahmen. Tagsüber sollte eine leichte, durchgehende Bewölkung herrschen, damit die Schatten nicht so hart werden. Windstille ist bei der Makrofotografie in der Natur ein fast unabdingbares Muss.
Stärken der verschiedenen Brennweiten
SP AF60mm F/2.0 Di II LD [ IF] Macro 1:1
SP AF 90mm F/2,8 Di Macro 1:1
SP AF 180mm F/3,5 Di LD[ IF] Macro 1:1
Das Tamron SP AF60mm F/2.0 Di II LD [ IF] Macro 1:1 besticht durch seine hohe Lichtstärke. Bei einer Offenblende von f/2.0 spielt es vor allem in lichtschwachen Umgebungen seine Stärken aus. Das Fokussieren wird hierdurch erheblich vereinfacht. Auch extreme Schärfeverläufe sind mit diesem Objektiv hervorragend möglich. Durch die sieben Blendenlamellen hat es eine sehr weiche Darstellung der unscharfen Bereiche. Bei der Fotografie von Insekten ist es jedoch oft schwer, mit diesem Objektiv den vollen Abbildungsmaßstab zu erreichen, da man sehr nahe an die Tiere herangehen muss. Ein weiterer, großer Vorteil ist die Innenfokussierung, bei der die Länge des Objektivs immer gleich bleibt. Dies ist vor allem vorteilhaft, wenn man dicht an einer Glasscheibe fotografieren muss.
Das Tamron SP AF 90mm F/2,8 Di Macro 1:1 hat eine Offenblende von f/2.8 und ist damit auch sehr lichtstark. Es ist der „Allrounder“ unter den Makros. Es ist sehr flexibel einsetzbar und eignet sich für alle Arten von Makros.
Das Tamron SP AF 180mm F/3,5 Di LD[ IF] Macro 1:1 ist in erster Linie ideal für die Fotografie in freier Wildbahn, da es durch die hohe Brennweite und den Mindestabstand von 47cm bei 1:1 Abbildungsmaßstab den Fluchtabstand der Insekten meist nicht berührt. Durch die große Brennweite wird der Hintergrund stark komprimiert und beruhigt den freigestellten Bereich. Auch dieses Objektiv arbeitet mit Innenfokussierung. Zusätzlich hat es einen Ring, mit dem man die Ausrichtung eines Filters ohne Entfernen der Gegenlichtblende drehen kann ( FEC – Filter Effect Control).
Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß, allzeit gutes Licht und reichlich Motive. Steigen Sie ein in die Welt der Makros und lassen sich von den Details faszinieren.
Die Bilder der Schmetterlinge entstanden mit freundlicher Genehmigung im wunderschönen Garten der Schmetterlinge Friedrichsruh.
Der Fototipp entstammt aus der Feder des Fotografen Norbert Hörmann. Weitere sehr gute Bilder, vor allem aus dem Bereich der Makro-Fotografie, können Sie in seinem Fotocommunity Profil finden










