Der Fotograf Klaus Wohlmann, geboren 1963 in Köln, startete 2006 eine Motorradreise durch Westafrika – Von Köln bis Togo und wieder zurück. Die Eindrücke dieser Reise wurden im Bildband „Begegnungen in Westafrika“ festgehalten. Drei Jahre später geht es wieder auf Reise, und zwar in Begleitung seiner Frau Isa Wohlmann. Ausgerüstet mit einer mobilen Blitzanlage von Multiblitz und Objektiven von Tamron, dazu Gepäck und Verpflegung und alles in den Seitentaschen zweier Motorräder. Das große Ziel: Kamerun. Einer der großen Höhepunkte der Reise war ein Besuch des Festival de l'Air nördlich von Agadez im Niger. Dieses Festival fand das erste Mal nach 5 Jahren Unterbrechung wieder statt.

Plötzlich bricht der Kreis der galoppierenden Kamele auf. Ein dumpfer Knall und Reiter samt Sattel stürzen zu Boden. Staubwolken schnellen empor. Die Frauen in der Kreismitte halten in ihrem Gesang inne. Die sich in Trance singenden Männer schauen erschrocken auf. Helfende Hände ziehen den Gestürzten aus der Bahn und fangen sein Kamel ein. Der Reiter gibt Entwarnung. Sofort setzten die Übrigen unter Anfeuerungsrufen und Gejohle ihr Rennen fort. „So was passiert beim Einreiten“ erklärt Abdelazzis, unser Begleiter.

Wir sind im Airgebirge, auf dem Festival de l'Air. Dieses Musik- und Kulturfestival wurde 2001 ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Volksgruppen der Poel und Tuareg zu versöhnen. Beide Gruppen sind Wanderhirten und konkurrieren um die wenigen Weideplätze im Sahel.

Der Weg zum Airfestival ist schweisstreibend und die Motorräder wühlen sich durch tief versandete Pisten und zerfurchte Wadi. Plötzlich eröffnet sich ein riesiger Platz vor uns, mit Bühne und Lautsprecheranlage umrahmt von Zelten der Tuareg und Poel. Abdelazzis führt uns zur Gendarmerie, wo wir unser Nachtlager aufschlagen können. Auf dem Platz herrscht buntes Treiben. Ständig kommen neue Grüppchen auf ihren langen weißen Kamelen angeritten. Alle haben sich festlich angezogen und die blauen und braunen Tücher, gehalten von großen silbrigen Spangen, glänzen in der Abendsonne. Die Frauen kommen in bestickten weißen Kleidern auf Eseln daher geritten, die dicht behangen sind mit bunten Lederbändern. Überall brutzeln Garküchen, die Kamele werden begutachtet und einige Gruppen bereiten sich auf den abendlichen Gesangswettbewerb vor.

Klaus, Abdelazzis und ich schlendern in dieser friedlichen verzauberten gelblichen Abendstimmung über den Platz. Immer wieder wird Klaus freundlich aufgefordert ein Foto zu machen. Zu unserem Erstaunen sind auch die Frauen fotowillig und bewegen sich ungezwungen und stolz vor der Kamera. Freundinnen und Kinder werden auch noch herbeigeholt. Klaus ist wie im Fotorausch.

Plötzlich krächzen die Lautsprecher und eine Stimme ruft zur Eröffnungsgala. Er hält eine feurige Begrüßungsrede und wir werden besonders willkommen geheißen. Dann beginnt der Gesangswettbewerb der Frauen. Aus jedem Dorf oder Gemeinschaft haben sie sich zusammengetan, Lieder einstudiert, die sie hier im Kreis sitzend, vortragen. Sie singen mit hoher schriller Stimme in Tamarascheck, die Sprache der Tuareg. Erst tief in der Nacht stehen die Gewinnerinnen fest und jeder sinkt danach erschöpft aufs Nachtlager.

Der nächste Tag beginnt mit dem offiziellen Programm. Die Grande Dame des Regierungschefs erscheint im Festzelt. Neben der Bühne warten Poel Männer regungslos seit Stunden in sengender Sonne auf Ihren Auftritt. Ihre Gesichter sind rot bemalt und sie tragen lange ärmellose bestickte Gewänder und Kopfschmuck. Der Vorsänger gibt den Rhythmus an und die Gruppe antwortet singend und klatschend. Besonders ausdrucksstarke Textpassagen werden mit dem Speer untermalt. Sie singen laut und selbstbewusst, aber wie in Trance, als rufen sie in eine andere Welt.

Es sind für uns verzauberte Momente in einer anderen Welt, die wir wie einen Schatz in unserer Erinnerung hüten.

Isa Wohlmann

 

Verwendete Objektive

Bei den schnellen Reitern, wenn Sie sich um die kleinen Musikgruppen drehen, kam das lichtstarke SP 70-200mm F/2.8 Di Objektiv zum Einsatz. Mit sehr kurzen Belichtungszeiten sind sie perfekt in Szene gesetzt.

Normalerweise ist das Fotografieren von Menschen nur bedingt möglich, bei Festivals hingegen öffnen sich die Besucher ganz anders. Man wird um Portraits gebeten. Hier kam das lichtstarke und sehr kompakte SP 28-75mm F/2.8 Di zum Einsatz.