Die letzte PMA, eine große Fotomesse in den USA, fand in Anaheim im Bundesstaat Kalifornien statt. Eine hervorragende Gelegenheit also, sich auf eine kleine Fototour zu begeben. Das hervorragende Wetter und die knalligen Farben vieler Motive führte schließlich zu diesem Fototipp: Wir widmen uns den Farben und einigen Möglichkeiten der Gestaltung.

Natürlich kann man dem Thema Farbe ganze Bücher widmen und auch wir werden dieses Thema in seiner Komplexität nicht in einem Fototipp aufbereiten können. Aber von Zeit zu Zeit werden wir das Thema Farbe immer wieder aufgreifen.

Grundlagen

Was ist eigentlich Farbe im fotografischen Sinne? Da gibt es zunächst einmal die Lichtfarbe. Diese bestimmt sich aus den Anteilen der Lichtwellenlängen. Schon Newton fand heraus, dass weißes Licht aus einem Spektrum von verschiedenen Lichtfarben besteht, in dem er dieses durch ein Prisma in verschiedenen Farben zerlegte.

Im Allgemeinen wird Licht in Form von Photonen von Körpern, den sogenannten Lichtquellen abgestrahlt. Unsere größte natürliche Lichtquelle ist die Sonne. Außerdem gibt es unendlich viele künstliche Lichtquellen, die höchst unterschiedliche Eigenschaften aufweisen

Weiterhin gibt es Körper, die die Eigenschaften des auftreffenden Lichtes verändern. Ein Teil des Lichtes wird reflektiert, ein anderer Teil absorbiert. Aus diesem Zusammenspiel von Reflektion und Absorption ergibt sich eine veränderte Lichtfarbe, da die Absorption je nach Lichtwellenlängen (und damit Lichtfarben) unterschiedlich ist. Hieraus resultiert letztendlich unsere farbige Welt, da die Oberflächeneigenschaften eines jeden Körpers sich von denen anderer Körper unterscheidet.

Zudem kommen die Eigenschaften des in der Fotografie benutzten Aufnahmemediums. In den Zeiten der Silberhalogenid Fotografie hatte jeder Film bestimmte Eigenschaften und war auf bestimmte Lichtfarben abgestimmt. Heutzutage benutzen die meisten Fotografen digitale Sensoren, die sich über den sogenannten Weißabgleich auf verschiedenen Lichtfarben einstellen lassen. Die Lichtfarbe wird hierbei in Kelvin angegeben. Typisches Tageslicht weist eine Farbtemperatur von ungefähr 5300-5500 K auf. Hat man seine Kamera auf diese Farbtemperatur eingestellt und fotografiert z.B. ein weißes Blatt bei dieser Lichtfarbe, so wird das Blatt auf dem Sensor so aufgezeichnet, dass es dem Seheindruck der Realität entspricht. Durch Veränderung des Weißabgleichs, kann folglich auch die Farbtemperatur des Bildes gegenüber der Realität verändert werden. In Zeiten von großen Speicherkapazitäten lassen sich Bilddaten als RAW Dateien speichern und man ist dadurch in der Lage die Farbtemperatur nachträglich in der Bildbearbeitungssoftware zu ändern.

Bei der Wiedergabe des besagten weißen Blattes müssen später dann einerseits die Eigenschaften des Materials auf dem das Bild dargestellt wird (Zusammensetzung der lichtempfindlichen Schicht, Oberflächenstruktur), als auch das Licht bei dem betrachtet wird, berücksichtigt werden, da beide Eigenschaften ja wiederum die Farbe bestimmen.

Wie Sie sehen ist das Thema Farbe eine komplizierte Angelegenheit, die von vielen Faktoren abhängt. Es lohnt sich jedoch einen Augenblick darüber nach zu denken und einmal genau zu beobachten wie sich die Farbtemperatur im Laufe eines Tages oder bei unterschiedlichen Wetterbedingungen verändern. So bringt z.B. die Sonne die Farben zum Leuchten. Morgens und abends verändert sich die Lichtfarbe dann ins rötliche und verändert somit die Farben der reflektierenden Körper.

Ohne Farbe

Im Ursprung waren alle Fotos Schwarzweiß, da es in den Schichten der Filme anfangs nur Silberhalogenide gab, die sich nach Lichteinfall mehr oder weniger schwarz färbten. Auch mit digitalen Kameras ist dies immer noch möglich. Meistens ist es möglich, die Kamera von vornherein auf S/W Belichtung einzustellen, praktischer ist es jedoch die Farbe per späterer Bearbeitung zu entfernen. Besonders leicht geht dies in Lightroom. Hier kann man über „Entwickeln“ direkt in den Graustufenmodus umschalten. Zusätzlich sind in der Software nachträglich Tönungen möglich, die dem Bild mehr Plastizität verleihen können. Hiermit kommt die erste leichte Farbtönung ins Spiel, während im reinen Schwarzweißbild nur Graustufen existieren, die keine Farbe darstellen.

SP AF28-75mm F/2.8 - Schwarzweiß ohne Tönung - 71mm, F/4, 1/200sek
SP AF28-75mm F/2.8 - Schwarzweiß mit Sepiatönung - 71mm, F/4, 1/200sek

Monochrome Motive

Monochrom bedeutet einfarbig. Reine einfarbige Flächen wirken schnell langweilig, aber Motive mit überwiegend einer Farbe und einigen Farbakzenten oder einem interessantem Licht- und Schattenspiel haben einen besonderen Reiz.

Lichtspiel am Sonycenter in Berlin
SP AF28-75mm F/2.8 Di - Monochromes Gebäude in L.A. - 28mm, F/2.8, 1/2500sek.

Abstrakte Farbe

Ein spezieller Zugang zur Farbe in der Fotografie sind abstrakte Motive. Hier lässt sich Farbe fast wie in der Malerei als gestalterisches Element in Form von Farbklecksen oder Pinselstrichen einsetzen. 

Vor allem mit Langzeitbelichtung können sehr interessante Effekte erzielt werden.

Pinselstriche (Autorücklichter in bewegter Langzeitbelichtung 20s)
Autorücklichter mit maximaler Defokussierung

Komplementärfarbe

Komplementärfarben sind Farben, die zusammengemischt einen Grauton ergeben. Diese werden  im Farbkreis als gegenüberliegend dargestellt. Solche Farben stehen Farbpsychologisch in einem besonderen Spannungsverhältnis und können, bewusst eingesetzt, bei der Bildgestaltung für reizvolle Kontraste sorgen.

248mm, F/7.1, 1/500sek.

Sonne & Farbe

Farben leuchten bei Sonne besonders gut. Nehmen Sie bewusst die Sonne in den Rücken und nutzen die Sonne als direkte Beleuchtung Ihrer Motive. Ein rein blauer Himmel eignet sich hervorragend als Hintergrund. Im Zusammenspiel mit den rot-orange-gelben Farben von Gondel und Achterbahn ergibt sich auch hier ein wirkungsvoller Farbkontrast.

300mm, F/6.3, 1/60sek.
28mm, F/8, 1/800sek.
SP AF28-75mm F/2.8 Di - 34mm, F/4, 1/50sek.

Selektive Farbe

Im nächsten Bild ergibt sich ein starker Kontrast aus den flammenden Farben des Haares zur restlichen monochromen Bildgestaltung. Dieser Effekt der selektiven Farbgestaltung wird auch oft durch eine Bildbearbeitung erreicht, in diesem Fall ist es jedoch ohne Bearbeitung entstanden. Durch das schwarz-weiße Gesicht und den grauen Hintergrund wird der Blick des Betrachters perfekt auf die farbigen Haare gelenkt, die wie Flammen das Bild dominieren.