Die Weihnachtsstimmung in den eigenen vier Wänden einfangen

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Die Weihnachtsstimmung in den eigenen vier Wänden einfangen

Die Adventszeit hat begonnen und in den Haushalten wird fleißig dekoriert: Lichterketten, Kerzen, Adventskranz, Krippe, Weihnachtsbaum. Überall glänzt es, leuchtet, funkelt. Und der Wunsch erwacht, die ganze Weihnachtspracht auf einem Foto zu verewigen. Also rasch zur Kamera gegriffen und abgedrückt. Doch beim Blick auf das Ergebnis macht sich oft Ernüchterung breit: Wo ist die warme, gemütliche Lichterstimmung abgeblieben, die unsere Augen sehen? Stattdessen flaches, kühles Licht und harte Schatten. Was ist hier schief gelaufen? Verantwortlich ist meist der eingebaute Aufklappblitz unserer Kamera. Das Ding ist ein Stimmungskiller erster Güte.

Im Automatikmodus entscheidet standardmäßig unsere Kamera, ob der Blitz zum Einsatz kommt. Und sie entscheidet meist falsch. Im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer ist es oft recht dunkel. Häufig haben wir das Deckenlicht bewusst ausgelassen, damit die Lichter am Weihnachtsbaum und die Kerzen am Adventskranz noch besser zur Geltung kommen. Doch das versteht unsere Kamera nicht. Sie bekommt über den Belichtungsmesser nur mitgeteilt, dass es dunkel ist und entschließt sich daher, das Bild mit dem Blitz künstlich aufzuhellen. Das Ergebnis ist ein Bild, das zwar ausreichend hell ist, dem aber jegliche Stimmung fehlt. Das Licht unseres kleinen Aufklappblitzes überstrahlt die anderen Lichtquellen, leuchtet das Motiv flach aus, sorgt für harte Schatten hinter dem Motiv und passt mit seiner kühlen Farbe auch nicht zum sonst meist warmen Licht. Deshalb den Blitz am besten komplett deaktivieren! Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Für die Fortgeschrittenen empfiehlt sich generell das Fotografieren im manuellen Modus. Die Kamera wird hier nie ungefragt den Blitz ausklappen, die Belichtung (Belichtungszeit, Blende, ISO) müsst ihr selber einstellen und habt dadurch maximale Kontrolle über das Ergebnis. Wer sich als Anfänger noch von den vielen Einstellungen abgeschreckt fühlt, kann aber auch im Automatik-Modus bleiben und im Menü den Blitz deaktivieren. Auf diese Weise wählt die Kamera die Belichtungsparameter weiterhin automatisch, verzichtet aber auf den Einsatz des Aufklappblitzes.

Vergleich: selbes Motiv, li. ohne Blitz, re. mit Blitz

Nun da wir den Stimmungskiller Aufklappblitz ausgeschaltet haben, geht es auf Motivsuche. Ich persönlich stürze mich zu Weihnachten gerne sofort auf die unzähligen Details: sei es die besonders prächtige Christbaumkugel oder die Kerze auf dem Adventskranz. Dabei jedoch nicht vergessen, auch mal einen Schritt zurückzutreten für eine Übersichtaufnahme, die eure Details in einen Kontext setzt. In der Zusammenschau erzählen eure Bilder so viel eher eine Geschichte.

Macht euch auf die Suche nach ungewöhnlichen Perspektiven. Die spielenden Kinder unter dem Weihnachtsbaum im Stehen von schräg oben zu fotografieren ist zwar bequem, viel interessanter und intensiver wird das Bild aber, wenn ihr euch ebenfalls auf den Boden begebt und die Kleinen aus gleicher Höhe fotografiert.

Ein Effekt, den ihr euch für eure Bilder unbedingt zunutze machen solltet, ist das Verhalten punktförmiger Lichtquellen, wenn sie in der Unschärfe (dem sogenannten „Bokeh“) hinter eurem Motiv platziert werden. Dort verschwimmen die kleinen Lichtpunkte nämlich zu Scheiben („Bokeh balls“) und kreieren so einen tollen, stimmungsvollen Hintergrund. Die Ausprägung des Effekts ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Er verstärkt sich durch Öffnen der Blende (sprich Einstellung einer kleinen Blendenzahl), Verringern des Abstands von Kamera zum Motiv und Vergrößern des Abstands vom Motiv zum Hintergrund. Keine Sorge, klingt komplizierter als es ist! Am besten einfach ausprobieren und mit verschiedenen Blendenwerten und Abständen experimentieren.

Die Form der „Bokeh balls“ hängt von eurem Objektiv ab. Bei manchen Linsen werden die Lichtpunkte, insbesondere bei vermehrtem Abblenden, zunehmend eckig. Das hat mit der Form der Blende und der Zahl der Blendenlamellen zu tun. Mit einem kleinen Selbstbauprojekt können wir uns aber richtig kreativ austoben und noch ein ganz anderes Aussehen der „Bokeh balls“ erreichen.

Wir benötigen dafür nichts weiter als ein Stück schwarze Pappe (oder etwas dickeres Papier), aus der wir die gewünschte Form ausschneiden oder ausstechen. Die Pappe dann mit einem Gummi oder Klebeband mittig vor dem Frontelement unseres Objektivs fixieren. Jetzt sollten die Lichtpunkte die zuvor ausgeschnittene Form aufweisen! Passend zu Weihnachten bietet sich z.B. ein Sternenmotiv an. Unten in der Galerie könnt ihr dazu noch ein Bild sehen.

Wer sich immer schon mal ein Fischaugenobjektiv gewünscht hat und auf interessante Perspektiven steht, der sollte sich seine Christbaumkugeln mal genauer anschauen. Eine klar glänzende Kugel ergibt einen tollen Fish-Eye-Effekt, wenn ihr die Spiegelung darin abfotografiert. Das könnt ihr euch für Weihnachtsportraits zunutze machen, die vielleicht nicht immer schmeichelhaft, aber garantiert alles andere als gewöhnlich sind!

Solltet ihr nun noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, kann ich euch die Festbrennweiten von Tamron ans Herz legen. Die große Offenblende und der Bildstabilisator erleichtern das Fotografieren im schummrigen Kerzenlicht ungemein, so dass ihr problemlos auf den unsäglichen Aufklappblitz verzichten könnt. Alle Bilder in diesem Artikel sind mit dem 35mm F1.8 und dem 90mm F2.8 Makro entstanden (bis auf die Übersichtsaufnahme vom Wohnzimmer, hierfür wurde das 15-30mm F2.8 verwendet).

Über den Autor: Daniel Wohlleben

Daniel Wohlleben lebt in Heidelberg und ist Fotograf aus Leidenschaft. Seine Motive findet er vorzugsweise in der Natur: Landschaften und Tiere haben es ihm angetan. Besonders zur Blauen und zur Goldenen Stunde, ist er rund um seinen Heimatort unterwegs auf der Suche nach Motiven. Aber auch Porträts und der urbane Raum finden den Weg in sein Portfolio.

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