Festbrennweiten in der Landschaftsfotografie

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Festbrennweiten in der Landschaftsfotografie

Als Fotograf zähle ich definitive zu den Pixelzählern. Aus diesem Grund vergleiche ich ständig Objektive miteinander, um zu jeder Brennweite optimale Abbildungsleistung zu finden und so meine Ausrüstung zu perfektionieren.

Natürlich führt kein Weg an den Festbrennweiten vorbei, denn bei Objektiven mit variabler Brennweite ist es nicht möglich, die gleiche Leistung zu erhalten, wie bei einem Objektiv fester Brennweite. Gerade im aktuellen Zeitgeist der Landschaftsfotografie mit Milchstraße, Polarlichtern und außergewöhnlich kontrastreichen Lichtsituationen, werden Objektive mit hoher Lichtstärke und Abbildungsleistung benötigt.

Ich habe mir aus diesem Grund die drei Festbrennweiten von Tamron, das 35mm f/1.8, 45mm f/1.8 und 85mm f/1.8 in den Rucksack gesteckt und diese auf meinen Reisen getestet, wie weit der Vorteil der besseren Abbildungsleistung den Nachteil des höheren Gewichts überwiegt.

Vorteil 1: Hohe Lichtstärke

Der erste Grund für diese Objektive ist natürlich deren hohe Lichtstärke und zeitgleich gute Abbildungsleistung bei Offenblende. Das Einsatzgebiet ist die Nachtfotografie, besonders das Fotografieren von Gewittern bei Nacht und das Polarlicht luden mich dazu ein, diese drei Objektive zu verwenden.

Nicht immer steht das Polarlicht hoch im Zenit und noch weniger häufig findet man Motive, die man ausschließlich mit dem Weitwinkelobjektiv fotografieren kann. Entferntere, markante Berggipfel benötigen eine höhere Brennweite, oder wenn das Polarlicht einmal wieder nur als Band am Horizont des Nordhimmels steht. In diesem zweiten Fall ist das Polarlicht auch wesentlich schwächer am Himmel zu sehen, entsprechend braucht man die hohe Lichtstärke, um das Polarlicht mit einer passablen Bildqualität einzufangen. Ein herkömmliches Zoomobjektiv, wie zum Beispiel das 24-70mm f/2.8, bietet in diesem Fall fast eine ganze Blendenstufe weniger Lichtempfindlichkeit bei geringerer Abbildungsleistung bei Offenblende.

Die gezeigte Aufnahme wurde mit dem 35mm f/1.8 erstellt. Das Polarlicht zeigte sich in dieser Nacht nur am Horizont des Nordhimmels, weiterhin versperrten Wolkenlücken zeitweise die Sicht. Nur durch die Blende von f/1.8 konnte ich bei diesem lichtschwachen Polarlicht eine passable Bildqualität erhalten und die ISO auf einer geringen Stufe lassen.

Natürlich tritt in diesem Fall das Problem geringer Tiefenschärfe bereits bei 35mm auf. Die Eisschollen im Vordergrund waren nur einen halben Meter entfernt und entsprechend unscharf. Ich habe in diesem Fall ein Focus-Stacking in Photoshop durchgeführt, in dem ich 10 verschiedene Fotografien unterschiedlicher Fokusdistanz für den Vordergrund aufgenommen habe. Selbstverständlich stellt dies bei Nacht einen erheblichen Zeitaufwand dar, da ich jeweils 30s belichtet habe. Die Nachtfotografie ist aber generell mit wenigen Motiven über einen langen Zeitraum hinweg verbunden. Mit geschlossener Blende und hoher Tiefenschärfe hätte ich mehrere Minuten belichten müssen mit dem Risiko, dass sich die Eisschollen verschieben.

Diese Aufnahme ist mit dem 45mm f/1.8 entstanden. Wie man auf der Aufnahme sehen kann ist auch in diesem Fall das Polarlicht sehr lichtschwach gewesen. Während dem Polarlicht leuchtet der gesamte Himmel, bekannt unter dem Begriff des Airglow, in einem schwachen Grün. Bei Blende f/1.8 und 30s Belichtungszeit konnte ich auch ohne Mondlicht einen hellen Vordergrund erhalten, um den markanten Berg hervorzubringen. Zeitgleich konnte ich auch das wesentlich schwächere rote Polarlicht in der Aufnahme festhalten.

Gewitterzellen bei Nacht sind eine Herausforderung, denn das aufleuchten der Gewitterwolke ohne das man eine Funkenentladung als Blitz sehen kann, ist sehr kurz und zudem lichtschwach. Zwischen zwei solcher Aufleuchten einer Gewitterzelle bewegt sich die Gewitterwolke weiter, so dass es zu hässlichen Doppelbelichtungen kommt, würde man mehr als ein Aufflackern der Gewitterzelle in einer Aufnahme fotografieren. Aus diesem Grund muss man mit einer geringen Belichtungszeit und einer hohen Lichtempfindlichkeit der Kamera arbeiten, um auch aus nur einem Aufflackern der Gewitterwolke eine helle Belichtung zu gewinnen. Um nicht selbst von einem Blitz getroffen zu werden bzw. um nicht im Regen zu stehen, benötigt man eine gewissen Distanz zu einem Gewitter. Ergo braucht man eine erhöhte Brennweite um dieses zu fotografieren. Für diese Kombination aus erhöhter Brennweite und lichtschwachem Motiv bieten sich die lichtstarken Festbrennweiten perfekt an. 

Vorteil 2: Sehr gute Leistungen bei Gegenlicht

War es zu analogen Zeiten meist unmöglich in das Gegenlicht zu fotografieren, ist dies heute in der Landschaftsfotografie eine gängige Methode um enorme Kontraste in der Landschaft einfangen zu können. In dieser Situation verlieren gerade Objektive mit variabler Brennweite gegenüber den Festbrennweiten. Je mehr Linsen in einem Objektiv verbaut sind, desto mehr brechende Schichten erzeugen störende Lensflares, die im schlechtesten Fall wichtige Teile im Bild verdecken. Mit Pech lassen sich diese Stellen hinterher nicht optimal in Photoshop ausbessern. Festbrennweiten bieten in dieser Lichtsituation wesentlich bessere Eigenschaften durch viel kleinere Lensflares in geringerer Anzahl.

Gerade in der Nachtfotografie hat man viele Lichtquellen auf einmal, in welche man direkt hineinfotografiert. Besonders schlechte Zoomobjektive liefern in solchen Fällen eine Vielzahl verschiedener Lensflares. Bei der verwendeten Festbrennweite von 45mm konnte ich quasi keine Lensflares in Photoshop entdecken.

Diese Aufnahme wurde mit dem 85mm f/1.8 aufgenommen, direkt in die Sonne hinein. Auch in dieser Lichtsituation treten kaum störende Lensflares oder Verfärbungen auf. Auch die Chromatische Aberration an den starken Kanten in Bild sind bei diesem Objektiv sehr gut korrigiert.

TIPP:
Wenn Sie ins Gegenlicht fotografieren und ein Stativ verwenden, schalten Sie einmal den Livemodus Ihrer Kamera ein. Sie können so die Lensflares und Verfärbungen im Bild sehen. Verdecken Sie nun die Sonne (Lichtquelle) mit der Hand, indem Sie diese vor das Objektiv halten. Nun sehen Sie das Bild ohne Lensflares, da das Licht nichtmehr direkt auf das Objektiv fällt. Mit diesem Trick können Sie mit mehreren Belichtungen und etwas Arbeit in Photoshop die Lensflares einfach entfernen. Machen Sie eine Belichtung mit Hand und eine Ohne. Nun kopieren Sie die guten Bereiche ohne Lensflares in das Foto ohne Hand hinein. Fertig.

Vorteil 3: Geringe Tiefenschärfe bei kurzer Brennweite

Gewöhnlicherweise erfreut sich der Landschaftsfotograf immer an einer möglichst hohen Tiefenschärfe. Es geht aber auch umgekehrt. Die Festbrennweiten bieten die Möglichkeit auch bei Blende f/1.8 eine sehr gute Auflösung innerhalb der Tiefenschärfe zu erhalten. Man kann deshalb schon mit 85mm Effekte bei der Tiefenschärfe erzielen, die sonst erst bei viel größeren Brennweiten möglich wären. Zeitgleich hat man noch immer einen großem Bildwinkel und damit die Möglichkeit, weite Teile der Landschaft in einem Foto abzubilden.

Vorteil 4: Hohe Auflösung

Wer sich bereits etwas ausführlicher mit der Optik als Teilgebiet der Physik beschäftigt hat wird früh mit der Auflösung konfrontiert. Die Auflösung ist das, was man als Fotograf als Detailschärfe bezeichnet. Das Objektiv ist in diesem Fall immer das Maß aller Dinge, denn es erzeugt das Bild auf dem Bildsensor. Der Bildsensor nimmt nur das auf ihn treffende Licht auf und digitalisiert es. In Zeiten von Vollformatkameras mit >40MP hat man längst das Auflösungsvermögen der Objektive überschritten, denn dieses Auflösungsvermögen wird von der Wellenlänge des Lichts limitiert und egal wie sehr man sich als Ingenieur bemüht, dieser Grenzwert ist nicht zu überschreiten. Die Festbrennweiten sind die beste Annäherung an diese maximale Auflösung, die es gibt. Die Linsen sind besser optimierbar, da man nur für eine einzige Brennweite optimieren muss und nicht für einen durchgängigen Bereich.

Auch wenn Sie plötzlich überwältigt sind von dem Mehr an Details wenn Sie von einem 20MP Sensor auf einen mit >40MP upgraden, ist dies doch nur eine Illusion, Sie würden den (fast) gleichen Effekt erhalten, wenn Sie mit guter Software Ihr Foto auf mehr Pixel hochrechnen, denn das Objektiv erzeugt das Bild.

Aus diese Grund sollten Sie solch „große“ Bildsensoren mit der bestmöglichen Auflösung versorgen, diese bieten entsprechende Festbrennweiten.

Nachteil 1: Platz und Gewicht

Dieser Nachteil liegt auf der Hand. Doch ich habe mich auch selbst einmal gefragt, wann ich überhaupt in meinem Alltag als Landschaftsfotograf in der Situation bin, dass ich meine Ausrüstung rationalisieren muss. Da ich vor Allem viel in Deutschland fotografiere, muss ich bei kaum einem Motiv eine nennenswerte Wanderung auf mich nehmen. Es stört mich also kaum, etwas mehr Gewicht und Volumen auf dem Rücken zu befördern. Vergleiche ich mich mit einem befreundeten Fotografen, der sich auf Zeitrafferaufnahmen spezialisiert hat, habe ich trotz Festbrennweiten wesentlich weniger Gewicht im Rucksack.

Erst wenn man plant auf dem Berg zu übernachten und entsprechend Ausrüstung zum Biwaking mit sich führen muss, braucht man sich ernsthafte Gedanken machen, die Ausrüstung zu rationalisieren. Ein weiteres Beispiel wäre eine mehrtägige Hüttenwanderung. In diesem Fall steht aber die Wanderung im Vordergrund und nicht unbedingt die Fotografie.

Ansonsten empfehle ich es, sich vor einer Tour mit weiter Anreise zum Motiv sich Gedanken zu machen, welche Motive mich erwarten können und welche Brennweiten man benötigt.

Man braucht sich aber nichts vormachen, wenn Sie wirklich gerne lange Zeit nur mit Ihrem Rucksack auf Tour sind, dann sollten Sie das mehr an Gewicht und Volumen nicht unterschätzen.

Über den Autor: Bastian Werner

Der 1993 geborene Fotograf hat sein Leben unserem Wetter gewidmet – und damit die Wetterfotografie in Deutschland auf ein neues Niveau gehoben. Statt auf gut Glück an eine Location zu fahren, wartet er auf den Tag, an dem Wetter und Licht für ein Motiv perfekt sind. Sein umfangreiches Wissen gibt er in Workshops und Büchern weiter.

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