Der Milchstraße auf der Spur

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Der Milchstraße auf der Spur - Crashkurs zur Sternenfotografie

Bilder vom Sternenhimmel scheinen eine große Faszination auf uns auszuüben. Vielleicht liegt es daran, dass ein klarer Blick auf die Sterne in einer Zeit zunehmender Lichtverschmutzung für die meisten von uns selten geworden ist. Wenn ich ein Sternenbild auf Social-Media hochlade, bekomme ich jedenfalls überproportional viel Resonanz. Oft kommt dann die Frage auf, wie das Bild entstanden ist. Immerhin ist eine Aufnahme vom Sternenhimmel bislang noch etwas, das wir nicht mal eben mit dem Smartphone ablichten können. Für ein gelungenes Foto gilt es doch einiges zu beachten. Das beginnt bei der Ausrüstung, Orts- und Motivauswahl, den Kameraeinstellungen und endet schließlich bei der Nachbearbeitung. Im Folgenden möchte ich euch zu jedem dieser Punkte einige Tipps an die Hand geben und so quasi einen Crashkurs zur Sternenfotografie liefern.

Make sure your subject has a clear outline against the horizon and the sky; this makes for a much better photo. Tamron 15-30mm – 22mm, 25s, f/2.8, ISO 1600

Ausrüstungstipps

Einige Dinge sind für das Fotografieren bei Nacht unverzichtbar:

  1. Stativ: Absolute Pflicht, da in der Nacht regelmäßig Belichtungszeiten im Bereich mehrerer Sekunden notwendig sind.
  2. Fernauslöser: Hilfreich, um beim Auslösen der Kamera Verwackelungen zu vermeiden. Viele neue Kameras lassen sich auch über eine WLAN-Verbindung per Handy-App auslösen. Alternativ tut’s aber auch der eingebaute 2sec-Timer. Der Fernauslöser ist bei den meisten Kameras auch für Belichtungen >30sec im sog. Bulb-Modus erforderlich.
  3. Licht: Um die Sterne gut zu sehen, müsst ihr Stellen finden, an denen es richtig dunkel ist. Um dabei selbst nicht den Durchblick zu verlieren, braucht ihr eine Lichtquelle. Eine Stirnlampe hat den Vorteil, dass beide Hände für die Bedienung der Kamera frei bleiben. Äußerst praktisch ist ein sogenannter Nachtsichtmodus, in dem die Lampe rotes Licht aussendet. Ist zwar nicht so hell wie das weiße Licht, aber die Dunkeladaptation der Augen bleibt erhalten. Das Licht kann außerdem kreativ im Bild eingesetzt werden (Stichwort „Lightpainting“, dazu später mehr).
  4. Kamera: Die heutigen Kamerasensoren sind so gut, dass ihr schon mit einer Einsteigerkamera gute Sternenbilder machen könnt. Ein größerer Sensor fängt mehr Licht ein und hat dadurch ein besseres Rauschverhalten, eine Vollformatkamera liefert daher nochmal einen Qualitätssprung. Ich persönlich verwende eine Canon EOS 6D.
  5. Objektive: Wie für die Kamera gilt, dass ihr bei guten Bedingungen auch mit dem Kit-Objektiv schon brauchbare Ergebnisse bekommen könnt. Für bessere Qualität gilt es abermals, möglichst viel Licht einzufangen, d.h. lichtstarke Objektive mit großer Offenblende (möglichst F/2.8 oder größer) zu verwenden. Mein absoluter Favorit für die Sternenfotografie ist das Tamron 15-30mm F/ 2.8 Ultraweitwinkelobjektiv. Es ist nicht nur sehr lichtstark, sondern man kriegt durch die geringe Brennweite auch unheimlich viel vom Himmel aufs Bild und kann länger belichten, bevor durch die Erdrotation Sternspuren auftreten (auch hierzu später mehr).

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Man muss kein Astronom sein, um zu wissen: Die Chance in der Stadt einen klaren Sternenhimmel oder gar die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen, ist gleich Null. Das Stichwort heißt „Lichtverschmutzung“, und wird durch unsere künstlichen Lichtquellen, seien es Straßenlaternen, Autoscheinwerfer oder Leuchtreklamen, hervorgerufen. Für die Sternenfotografie müssen wir uns so weit wie möglich von der Lichtverschmutzung der Städte entfernen. Für mich als Heidelberger bedeutet das: Raus aus dem Rhein-Neckar-Delta und möglichst tief rein in Odenwald oder Pfälzer Wald. Auf einer Karte wie dieser (https://www.lightpollutionmap.info/) könnt ihr euch einen Überblick verschaffen, wo bei euch in der Nähe die Lichtverschmutzung am geringsten ist.

Was den richtigen Zeitpunkt angeht, sind vor allem zwei Dinge wichtig:

  1. Die Nacht sollte möglichst klar und wolkenlos sein, also vorher den Wetterbericht checken. Natürlich kann man sich darauf nicht hundertprozentig verlassen. Solltet ihr vor Ort feststellen, dass doch einige Wolken am Himmel stehen, ist das kein Grund sich gleich wieder auf den Heimweg zu machen. Ein paar Wolken können einem Bild manchmal auch durchaus das gewisse Etwas verleihen.
  2. Die Mondphasen beachten. Ein schöner Vollmond kann zwar auch ein reizvolles Fotomotiv sein, überstrahlt aber die Sterne. Wenn wir uns also einen Blick auf die Milchstraße erhoffen, sollte möglichst Neumond sein. Um einen Überblick über die Mondphasen und noch viele weitere nützliche Infos zu bekommen, kann ich euch die App „PhotoPills“ sehr ans Herz legen. Sie bietet sogar eine Augmented-Reality-Funktion, die euch beim Blick durch die Handy- Kamera anzeigt, wo am Himmel gerade die Milchstraße verläuft. Total genial!
Lighting up the Milky Way with a head-mounted lamp might not make it any easier to see, but it does make for an awesome photo Tamron 15-30mm – 15mm, 30s, f/2.8, ISO 3200

Den Sternen Kontext geben: die Motivauswahl

Haben wir die bisherigen Tipps befolgt, befinden wir uns nun mit Stativ und Kamera samt lichtstarkem Objektiv in einer sternenklaren Neumondnacht an einem dunklen Ort fernab der Zivilisation. Unter diesen Bedingungen sehen wir über uns einen prächtigen Sternenhimmel. Den Verlauf der Milchstraße kann man dann meist schon mit bloßem Auge erkennen. Doch so schön der Sternenhimmel auch ist, einfach direkt nach oben zu fotografieren ist irgendwie langweilig. Richtig rund wird unser Bild erst durch ein interessantes Vordergrund-Motiv, das den Sternenhimmel in Relation setzt, dadurch die Weite des Universums betont und die ganze Aufnahme in einen Kontext setzt. Hier bietet sich alles Mögliche an: Bäume, Gebäude, Seen, Berge. Schon wenn ich tagsüber unterwegs bin, halte ich oft Ausschau nach potenziellen Motiven. Bäume wirken z.B. besonders gut, wenn sie einzeln stehen und sich gut gegen den Horizont abgrenzen lassen. Sollte gerade kein passendes Motiv zu finden sein, denkt daran: Ihr habt immer noch euch selbst! Warum nicht mal ein Selfie unterm Sternenhimmel? Bei mehreren Sekunden Belichtungszeit heißt es allerdings: Luft anhalten und stillstehen, damit die Aufnahme nicht unscharf wird.

If the weather forecast doesn’t look good, don’t be discouraged by a couple of clouds in the sky – sometimes they can give your photos a great dramatic effect. Tamron 15-30mm – 15mm, 75s, f/2.8, ISO 2000

Eine Technik, die ihr anwenden könnt, um noch mehr Details in eurem Vordergrund-Motiv sichtbar zu machen, ist das sogenannte „Lightpainting“. Dabei leuchtet ihr den Vordergrund bei laufender Kamerabelichtung mit eurer Taschenlampe an. Ihr müsst ein wenig experimentieren, wie stark und wie lange ihr leuchten müsst, um die richtige Menge an Licht zu erhalten. Persönlich setze ich diese Technik eher selten ein, da mir der Effekt oft zu unnatürlich wirkt. Wenn ihr darauf achtet dass sich euer Motiv gut gegen Horizont und Himmel abgrenzt, könnt ihr es auch ganz bewusst unterbelichten und erhaltet dann eine schöne Silhouette.

Identical subject, identical camera settings, without light painting on left, right with Tamron 15-30mm – 15mm, 25s, f/2.8, ISO 1600

Licht ins Dunkel bringen: die passenden Kameraeinstellungen

Womit wir beim nächsten Punkt wären, den Kameraeinstellungen. Vorweg: Möglichst im RAWFormat fotografieren. Ihr erhaltet dadurch quasi ein digitales Negativ ohne Vorbearbeitung durch die Kamerasoftware. Damit habt ihr hinterher in der Nachbearbeitung am PC wesentlich mehr Spielraum.

Die Belichtungsautomatik eurer Kamera könnt ihr in der Nacht vergessen. Also ab in den manuellen Modus. Auch den Fokus stellt ihr am besten manuell ein, da der Autofokus in der Dunkelheit in der Regel nicht mehr funktioniert. Damit die Sterne scharf werden, fokussiert ihr auf „Unendlich“. Dafür stelle ich mir im Liveview einen besonders großen und hellen Stern ein, den ich mit der Lupenfunktion maximal vergrößere. Anschließend gilt es, diesen durch Drehen am Fokusring so klein und punktförmig wie möglich darzustellen, denn dann habt ihr ihn perfekt im Fokus.

Bei der Einstellung der Belichtung gilt folgendes:

  1. Blende immer ganz öffnen (ihr erinnert euch, es geht darum möglichst viel Licht einzufangen)
  2. ISO liegt bei mir meist zwischen 1600 bis 3200, je nach Lichtstärke und Brennweite des Objektivs können ggf. auch höhere oder niedrigere Werte für eine gute Belichtung erforderlich sein
  3. Belichtungszeit: Prinzipiell würden wir gerne möglichst lange belichten, um wieder mehr Licht einzufangen und dadurch ein besseres Rauschverhalten und somit bessere Qualität zu erhalten. Die maximal wählbare Belichtungszeit ist jedoch durch die Erdrotation begrenzt. Die punktförmigen Sterne werden sonst zu Strichen, was meist unerwünscht ist (es sei denn man entscheidet sich ganz bewusst dafür, eine „Star Trail“-Aufnahme zu machen). Wie lange ihr belichten könnt, bevor Sternspuren entstehen, hängt von eurer Brennweite ab. Als Faustregel gilt: maximale Belichtungszeit in sec = 500/Brennweite. Denkt daran, die Brennweite noch mit dem Crop-Faktor eurer Kamera zu multiplizieren, falls ihr nicht mit einer Vollformatkamera arbeitet. Beispiel: verwende ich mein Tamron 15-30mm bei 15mm an der Canon EOS 6D (Vollformat), kann ich maximal 500/15 = 33sec belichten. Mit dem gleichen Objektiv an meiner EOS 7D Mark II (APS-C, Crop-Faktor 1,6) sind es nur 500/(15x1,6) = 21sec.
As beautiful as the starry night sky is, the electricity pylon in the foreground gives an impression of vastness Tamron 15-30mm – 20mm, 30s, f/2.8, ISO 1600

Nachbearbeitung: das Beste rausholen

Die Nachbearbeitung gehört für mich, insbesondere bei der Sternenfotografie, einfach dazu. Euer Kamerasensor fängt nämlich noch deutlich mehr Informationen ein, als uns das Bild so wie es aus der Kamera kommt auf den ersten Blick verrät. Indem ihr etwas mit den Kontrastreglern eurer Bildbearbeitungssoftware spielt, könnt ihr z.B. die Sterne richtig zum Leuchten bringen. Die Milchstraße lässt sich oft durch eine lokale Anpassung noch besser herausarbeiten. Hier konkrete Empfehlungen zu geben ist schwierig, da die Bezeichnungen je nach Bildbearbeitungsprogramm variieren. Ich persönlich verwende Adobe Lightroom und arbeite vor allem mit den Reglern Kontrast, Klarheit, Weiß und Dunst entfernen. Für lokale Anpassungen eignen sich der Radial-Filter oder Korrekturpinsel sehr gut. Auch was die Farben angeht könnt ihr z.B. durch Anpassung des Weißabgleichs ganz unterschiedliche Effekte erzielen. Wie man unschwer erkennen kann, habe ich bei meinen Bildern eine gewisse Vorliebe zu Rosa- und Lilatönen entwickelt. Hier muss jeder seinen eigenen Stil entwickeln, was gefällt ist letztlich Geschmackssache.

So, jetzt habt ihr die wichtigsten Grundlagen an der Hand, um demnächst selber loszuziehen und den ganz besonderen Charme der Sternenfotografie zu erleben!

Ultra-wide angle isn’t always the answer! The Milky Way behind Trifels Castle in Palatinate, taken with the Tamron 85mm f/1.8 – ISO 2000, 8s for the sky, 30s for the foreground

Über den Autor: Daniel Wohlleben

Daniel Wohlleben lebt in Heidelberg und ist Fotograf aus Leidenschaft. Seine Motive findet er vorzugsweise in der Natur: Landschaften und Tiere haben es ihm angetan. Besonders zur Blauen und zur Goldenen Stunde, ist er rund um seinen Heimatort unterwegs auf der Suche nach Motiven. Aber auch Porträts und der urbane Raum finden den Weg in sein Portfolio.

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