Bildkonzept erstellen

Diesen Beitrag teilen

Bildkonzept erstellen

Ein Bildkonzept erstellen. Das klingt nach „Professionalität“. Nach „ich weiß, was ich tue“. Nach „ich habe da einen Plan“. Ziemlich „fancy“ und – je nachdem, wer über die Fotokonzeption spricht – auch elitär.

Und dabei sehen wir täglich, dass ein Konzept lange kein gutes Bild ergibt. Schnappschüsse, entstanden mit der Kamera-App des Smartphones, landen auf Instagram, in Familienfotoalben und auch nicht selten in Veröffentlichungen mit großem Publikum. Sind diese Bilder mit Konzept im Hinterkopf des Fotografen entstanden? In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: Nein. Auch Reportagefotografen drücken häufig „einfach nur ab“. Allerdings wissen diese Profis im Auslösemoment auch ganz genau, was sie da gerade tun. Ein Schnappschuss lebt von der Lebendigkeit und von der Authentizität des Motivs und nicht von einem ins Detail ausgearbeiteten Plan.

Dennoch. Man kann sich wehren, wie man will, beschäftigt man sich näher mit der Fotografie als Ausdrucksmöglichkeit, muss man sich zwangsläufig früher oder später auch mit dem Thema Konzeption auseinandersetzen. Allerdings nicht, weil ein Konzept das Allheilmittel ist. Ein Konzept bereitet vor und schafft schon vor dem Shooting Routine – nicht mehr, nicht weniger. Diese Routine ist jedoch ein sehr guter Freund. Wenn man mit ihr klarkommt, kann sie einem bei einem geplanten Shooting den Hintern retten.

Gerade bei der Foodfotografie ist es gut, Routinen zu entwickeln und nach eingespielten Mustern arbeiten zu können. Natürlich rennt einem das Motiv nicht weg, und wenn man sich mal daran gewöhnt hat, auch kalt gewordenes mit Genuss zu verspeisen, steht die Zeit definitiv auf der Seite des Fotografen. Trotzdem sieht frisch zubereitetes Essen auf Fotos einfach schöner aus und so gibt es doch gewisse Grenzen beim Experimentieren. Spätestens, wenn das Salatblatt am zu fotografierenden Sandwich traurig und welk herunterhängt, weiß man, dass man etwas zu lange gebraucht hat, um das eigentlich leckere belegte Brot zu fotografieren. Gut, wenn man sich also schon im Vorfeld Gedanken um den Setaufbau, das Licht und die Props gemacht, sich also ein Konzept zurecht gelegt hat.

Für die Fotografien auf eat this! und für unsere Bücher gehen wir dabei nach einem recht einfachen Muster vor.

Da wir nahezu ausschließlich mit „Available Light“ fotografieren, gibt die Tageszeit und der aktuelle Sonnenstand vor, wo wir fotografieren. Ein Fenster mit nördlicher Ausrichtung ist häufig die beste Wahl als Lichtquelle. Hat man bei der Wahl der Wohnung nicht auf das Nordfenster geachtet, geht man mit beziehungsweise gegen die Sonne und sucht sich das Plätzchen aus, welches indirekt und weich beleuchtet wird.

Die Unterlage und ein eventueller Hintergrund werden nach der Farbigkeit des Motivs und der Stimmung gewählt, die wir mit dem Bild erzeugen möchten. Die Farben eines gelborangefarbenen Kürbiscurrys strahlen auf einem ebenfalls ins Orange gehenden Holzuntergrund natürlich weitaus weniger, als würde das Gericht auf einem dunklen Untergrund abgelichtet. Eine helle Pastinakensuppe in weißen Schalen geht vor einem hellen Hintergrund ebenfalls unter. Für das Bild des Barbecuepanzanellas wählten wir deshalb eine weiße Schale, die die Rot-, Orange- und Gelbtöne der Früchte zur Geltung bringen, der rustikale Holzuntergrund passt zum sommerlichen Grillthema.

Ähnlich gehen wir bei der Auswahl der Props vor. Welche Serviette passt farblich zum Motiv? Und möchte man mit dem „guten Besteck“ den Eindruck eines schön gedeckten Tischs erwecken oder soll das Bild dem Leser zeigen, dass man das Gericht perfekt vorbereiten und zur nächsten Grillparty mitnehmen kann?

Beim eigentlichen Bildaufbau gibt es wenig Möglichkeiten, nach einem festgelegten Schema vorzugehen. Hier ist vor allem Gefühl gefragt. Wir haben es uns angewöhnt, aus der Perspektive des „Essers“ zu fotografieren und so den Bloglesern zu vermitteln, dass sie zu Gast bei uns sind und auf ihren eigenen Teller blicken. So achten wir beispielsweise darauf, das Besteck so anzuordnen, wie man es an einem gedeckten Tisch erwarten würde. Für den richtigen Look ist es außerdem wichtig, dass das Licht von hinten oder von der Seite auf das Motiv scheint, vorn sollte nur aufgehellt werden. Dabei ist es dann manchmal auch notwendig, das ganze Set neu aufzubauen, wenn man beispielsweise vom Hochformat ins Querformat wechselt. Mit Hilfe des Konzepts kann man sich vorstellen, wie das Licht nach dem Umbau fallen muss und weiß somit instinktiv, wie der neue Aufbau aussehen sollte.

Um dem Bild mehr Struktur zu geben, verwenden wir häufig grob gemahlene Gewürze, grobes Meersalz oder frisch gehackte Kräuter und ganz im Ernst – das kann ein gutes Bild zum perfekten Bild machen.

Erst jetzt geht es an die Kamera und an die Auswahl des richtigen Objektivs. Beim Panzanella geht es darum, viel zu zeigen. Das Brot, der Grill, die Kapern und Olivenöl sollen zu sehen sein, ohne dass das Bild gedrungen und „eng“ aussieht. Ein zu weiter Winkel wirkt jedoch unnatürlich und lenkt vom eigentlichen Hauptdarsteller, der Salatschüssel ab. Wir greifen also zum Tamron SP 35mm F/1.8 Di VC USD, welches an unserer Canon 60D in etwa eine Normalbrennweite abbildet.

Heißt das nun, dass wir für jedes Rezept auf dem Blog nach einem vorher festgelegten und aufgeschriebenen Konzept arbeiten? Nein, natürlich nicht. Wie schon erwähnt, geht es dabei um Muster und um Erfahrungen. Man macht Fehler, lernt daraus, weiß beim nächsten Mal, wie man sie vermeiden kann und sammelt so die Grundzutaten für ein Bildkonzept. Und sind wir mal ehrlich, der Spaß und die Kreativität blieben ganz schön auf der Strecke, wenn man nur noch nach „Schema X“ fotografieren würde.

Über den Autor: eat this!

Nadine und Jörg aus Ulm betreiben zusammen seit 2011 das vegane Rezepte Blog eat this! Mindestens 2-3 mal pro Woche veröffentlichen sie auf www.eat-this.org Rezepte und Artikel zum veganen Lifestyle, Sport in Verbindung mit veganer Ernährung und neuen veganen Produkten aus sämtlichen Bereichen.

Erfahren Sie mehr über den Autor bei:

Ähnliche Artikel