Themenshooting

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Themenshooting

Warum fotografieren wir eigentlich? Um Momente festzuhalten, ist oft die erste Antwort auf diese Frage - „to capture every moment“, so steht es zumindest auch auf meinem Shirt von der Photokina. Aber das ist nicht alles. Festhalten, was da ist, ist ein Aspekt, aber da geht noch mehr: Mit Hilfe der Fotografie können wir neue Bilder, Momente und Geschichten überhaupt erst entstehen lassen, unsere Fantasie in Wirklichkeit verwandeln, kreativ werden und gestalten.
Ein schönes Beispiel hierfür sind Themenshootings, bei denen das Model für einige Zeit in eine andere Haut schlüpfen kann. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, sich in Holly Golightly aus „Breakfast at Tiffany’s“, einen skrupellosen Mafiaboss oder eine gefährlich-schöne Vampirbraut zu verwandeln?
Anders als beim klassischen Portraitshooting hat man hier noch mehr Möglichkeiten, spielerisch auf die Bildsprache Einfluss zu nehmen. Es gibt aber auch einige Dinge, die es zusätzlich zu beachten gilt. Ein paar Tipps und Ideen soll dieser Artikel liefern.

Themenwahl

Als professioneller Fotograf geht man hier natürlich auf die Wünsche seiner Kunden ein. Macht man das Themenshooting privat für sich selbst, hat man alle Möglichkeiten, aber auch die Qual der Wahl. Da hilft es, einfach mal das innere Kind rauszulassen: Wer wollte man immer schon mal sein, mit wem kann man sich identifizieren? Gibt es einen Superhelden, einen Lieblingsfilmcharakter, eine Lieblingsepoche? Bei mir ist es - und ja, ich bin schon über 30 - die Bogenschützin Katniss Everdeen aus „Die Tribute von Panem“. Hier sind ein paar weitere Ideen zur Inspiration:

  • Epochen: Roaring Twenties, Swinging Sixties, Mittelalter, Antike
  • Filme: Sin City, Kill Bill, Alice im Wunderland, Pulp Fiction, Herr der Ringe, Harry Potter, The Great Gatsby, Twilight, Batman, Moulin Rouge, Breakfast at Tiffany’s, Star Wars
  • Märchen: Rotkäppchen (ja, auch so etwas kann man sexy und künstlerisch stylen), Schneewittchen, Die Schneekönigin
  • Fantasy: Elfen, Feen, Vampire, Zombies, Magier

Outfit und Accessoires

Die sogenannten „Props“ sind maßgeblich dafür entscheidend, ob das Thema vom Betrachter auf den ersten Blick erkannt wird. Dazu am besten vorher noch einmal gut recherchieren: Den Lieblingsfilm noch einmal ansehen, die Google-Bildersuche befragen oder auf Fotoplattformen wie 500px oder Pinterest nach passenden Stichworten suchen. Alice im Wunderland erhält ihren Wiedererkennungswert zum Beispiel durch Spielkarten, Teegeschirr, eine Schleife im Haar und ein blaues Kleid. Bei meiner Bogenschützin Katniss habe ich mich nicht ganz so eng am Film orientiert, da ich zusätzlich ein paar Mittelalter-Elemente einfließen lassen wollte. So ist ein Katniss-Waldelfen-Hybrid entstanden. Auch fein.
So oder so, die Beschaffung der Accessoires muss nicht in eine teure Materialschlacht ausarten! Vieles hat man bereits im Haus oder kann es leicht basteln. Wenn man doch etwas kaufen muss, sind Online-Auktionshäuser oder Karnevalsläden eine gute Fundgrube.

Die Umgebung

Auch Themenshootings kann man zu Hause vorm Studio-Hintergrund machen, vor allem, wenn der Fokus auf Gesicht und Makeup liegt oder man nachträglich einen Hintergrund einfügen will. Oft trägt eine typische Umgebung aber ganz stark zur Stimmung bei: Den mittelalterlichen Recken mit Armbrust stellt man vorzugsweise auf eine Waldlichtung, ein räudiger Cop im Sin City-Stil kommt am besten vor einer verregneten oder verschneiten, schäbigen und später schwarzweiß bearbeiteten Großstadtkulisse rüber. Oft reicht auch der Stadtpark oder eine Straßenlaterne, wenn man den Bildausschnitt geschickt wählt. Wenn die Umgebungsbedingungen dann noch mit dem Model interferieren - Wind im Haar, Regen im Gesicht - umso besser.

Equipment und Objektiv

Für eine stimmungsvolle Fotostrecke, die eine Geschichte erzählt, sind sowohl weitwinkligere Aufnahmen der gesamten Szene als auch Portrait- und Detailfotos wichtig. Da man schöne Momente, Blicke und Posen aber trotzdem schnell einfangen und nicht erst immer mühselig das Objektiv wechseln will, bietet sich hier ein Zoomobjektiv an. Mein Tipp für Themenshootings ist das 24-70mm f/2.8 von Tamron, da man damit interessante Weitwinkelperspektiven genauso schön hinbekommt wie Portraits und Details mit einem cremigen Bokeh. Hier mal drei Beispielfotos mit 24mm, 50mm und 70mm Brennweite:

Die Offenblende von f/2.8 ermöglicht neben dem Spiel mit der Schärfentiefe auch ein Fotografieren im dämmrigen Herbstwald oder vor einer düsteren Großstadtkulisse. Außerdem möchte man ja, wenn man Menschen in Bewegung fotografiert, die Belichtungszeit nicht zu lang werden lassen. Eine Besonderheit in dieser Objektivklasse ist, dass das Tamron 24-70mm f/2,8 darüber hinaus mit einem optischen Bildstabilisator aufwarten kann. Zwar schützt dieser nicht vor zappeligen Models, aber bei vor Kälte zitternden Händen und schlechten Lichtverhältnissen bei Outdoor-Shootings kann er sich doch als sehr hilfreich erweisen. Generell wird der Einsatzbereich des Objektivs dadurch noch zusätzlich erweitert.
Möchte man auf ein Stativ zurückgreifen, empfiehlt sich ein Monopod (Einbein-Stativ) zwecks größerer Flexibilität. Eine zusätzliche Speicherkarte und Reserveakkus bzw. ein Batteriegriff sind bei Outdoor-Shotings sowieso immer eine gute Idee.

Bildbearbeitung

Gerade Themen, die auf Filmen basieren, haben oft einen ganz charakteristischen Look, eine bestimmte Stimmung, die man analysieren und nachstellen kann. Ein klassisches Beispiel ist der raue Schwarz-Weiß-Look der Sin City-Comics und -Filme mit einzelnen grellen Farbtupfern. Ein Zwanziger-Jahre-Shot wirkt stilechter im leicht entsättigten Sepia-Look und zu Alice im Wunderland passt entweder eine psychedelisch bunte Bearbeitung oder ein Vintage-Filter… Hier darf man ruhig mal etwas tiefer in die Filterkiste langen, wenn es zum Thema passt.

Alles in allem gilt aber: Regeln sind zum Brechen da. Der Spaß fängt erst richtig an, wenn man selber kreativ wird, Neues ausprobiert, auch mal ungewöhnliche Wege geht. Wer sagt, dass Schneewittchen nicht auch mal verrucht daherkommen kann oder dass ein Vampir keine Sonnenbrille tragen darf?
Ich hoffe, dieser Artikel hat dem einen oder anderen vielleicht Lust auf ein Themenshooting gemacht! Viel Spaß beim Ausprobieren…

(Alle Fotos in diesem Beitrag sind mit dem Tamron 24-70mm f/2.8 entstanden - Fotos, auf denen das Objektiv selbst zu sehen ist, mit dem Tamron 90mm f/2.8 Makro)

Über den Autor: Vera Dondelinger

In ihrem Blog „Nicest Things“ berichtet Vera Dondelinger nicht nur über leckere Rezepte und attraktive Dekorationen fürs eigene Heim. Die Heidelbergerin bietet auch regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen und beschreibt ausführlich, wie ihre wunderschönen Fotos entstehen. Unser Lesetipp: http://www.nicestthings.com/2014/03/blogging-tips-and-tricks-behind-scenes.html

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